Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

Subscribe

Aslı Erdoğans Romane „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ im Vergleich (Teil 2)

März 27, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher

Nur zwei Jahre nach „Der wundersame Mandarin“ erschien in der Türkei 1998 Aslı Erdoğans Roman „Die Stadt mit der roten Pelerine“. Im Vergleich zum wundersamen Mandarin ist er wesentlich komplizierter konstruiert. Im ersten Moment scheint er allerdings ähnlich eingängig geschrieben zu sein. Wieder versetzt uns Erdoğan gleich in den ersten Sätzen in eine fremde Stadt. Diesmal jedoch nicht in das betuliche Genf, sondern ins quirlige Rio de Janeiro.

„Rio ist der schönste Ort der Welt“ – jedenfalls behaupten das „die Einwohner über ihre Stadt“, eröffnet Erdoğans Protagonistin den Leserinnen und Lesern. Doch ihre Protagonistin will keine Loblieder anstimmen, wie sie sogleich verkündet. Im Gegenteil: Sie verbinde schon lange nichts mehr mit dieser Stadt, obwohl auch sie einst ihrem Zauber erlegen war.

flattr this!

Aslı Erdoğans Romane „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ im Vergleich (Teil 1)

Februar 28, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

2008 schien die Welt noch in Ordnung. Damals war die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse. Mit deutschsprachigen Übersetzungen türkischer Autorinnen und Autoren sah es jedoch schlecht aus. Seit Längerem versuchte das Ministeriums für Kultur und Tourismus der Türkei diesen Missstand mit dem TEDA-Programm gegenzusteuern. Dank der Unterstützung durch TEDA konnten mit Aslı Erdoğans „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ pünktlich zur Buchmesse zwei weitere Romane aus der Türkei auf dem deutschen Buchmarkt erscheinen.

Heute gilt Erdoğan dagegen dem Regime von als höchst gefährliche Staatsfeindin. (Trotz der Namensgleichheit ist Aslı Erdoğan übrigens nicht mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan verwandt. Erdoğan ist in der Türkei vielmehr ein weitverbreiteter Name.) Im August 2016 in Istanbul im Rahmen einer Verhaftungswelle von 23 Journalisten und Mitarbeitern der türkisch-kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem wegen „Propaganda für eine illegale Organisation“, „Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation“ und „Volksverhetzung“ festgenommen, wurde im Dezember 2016 der Prozess gegen die Schriftstellerin und acht weitere Angeklagte vor einem Instanbuler Gericht eröffnet.

flattr this!

Auf der Suche nach dem Politischen in der Literatur

Januar 31, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft

»Brecht und wie weiter? Politisches in der Literatur heute« hieß eine Veranstaltung des ND-Literatursalons mit den Feuilletonredakteuren des Neuen Deutschland Irmtraud Gutschke und Christian Baron. Sich auf Brecht berufend, hatten die Veranstalter die Messlatte somit gleich sehr hoch gelegt. Brecht, das heißt, gleichermaßen hohe inhaltliche wie literarische, hohe weltanschauliche wie ästhetische Maßstäbe anzulegen.

Sein zum Eingang vorgetragenes Gedicht »An die Nachgeborenen« genauso wie der zum Beginn gelesene Auszug aus seinem Theaterstück »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« verblüffen, wie Gutschke hervorhob, in der Tat bis heute durch ihre erstaunliche Aktualität.

Aber ist es wirklich das, was Brecht und seine Texte gegenüber vielen seiner Zeitgenossen auszeichnet? Was ihn als Ausgangspunkt für die Suche nach dem Politischen in der Literatur heute so geeignet erscheinen lässt? Gab es nicht auch andere Schriftsteller, die ähnliche Weitsicht und politische Klarheit bewiesen?

flattr this!

Benito Wogatzkis Romane „Das Narrenfell“ und „Fleur“ als Meisterwerke der Satire (Teil 2)

Dezember 21, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Als Benito Wogatzki den Roman „Fleur“ schreibt, ist die DDR längst Geschichte und ihm damit sein Spielfeld verloren gegangen. Hatte er die DDR bei allen ihren Mängeln grundsätzlich als das bessere Deutschland verstanden, die er deshalb durch Ironie befördern wollte, sieht er sich jetzt einem System gegenüber, das er grundsätzlich ablehnt.

Mit Detailkritik kommt er in „Fleur“ deshalb nicht mehr weiter. Im Brennpunkt steht jetzt das gesamte System. So bleibt ihm nur, alles mit Sarkasmus zu überziehen und ins Absurde abgleiten zu lassen.

Fleur und Julius haben sich einst geliebt. So sehr geliebt, dass sie nicht zueinanderfinden konnten. Als Julius Fleur kennenlernt, wird ihm klar, „dass der Irrweg seines Lebens – zu Ende war.“ Und Fleur fühlt: „Sie war nicht mehr allein, sie hatte Julius.“ Ihm konnte sie alles erzählen. Und das heißt vor allem, über ihre trotz Julius weiterhin wechselnden Männerbekanntschaften.

flattr this!

Benito Wogatzkis Romane „Das Narrenfell“ und „Fleur“ als Meisterwerke der Satire (Teil 1)

Dezember 13, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

„Susanne Wogatzki““ stand auf einer dicken Postsendung, den ich vor einigen Wochen aus Frankreich erhielt. Susanne Wogatzki? Der innenliegende Brief ließ es mir wie Schuppen von den Augen fallen: Benito Wogatzki, an den ich anlässlich seines Todes am 25. Juli 2016 auf dem Sprachrand erinnert habe, hat die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens zu einem großen Teil in Südfrankreich verbracht.

Dass Susanne Wogatzki sich über diese Ehrung gefreut hat, hat wiederum auch mich gefreut, denn nun hielt ich endlich auch seinen letzten, 2014 vollendeten und erschienenen Roman in meinen Händen: „Fleur“.

Der Zufall – oder genauer gesagt ein vorausgegangenes längeres Gespräch mit einer guten Freundin über Benito Wogatzki und überhaupt die DDR-Literatur – wollte es, dass ich wenige Tage darauf auch noch seinen 1988 erschienenen Roman „Das Narrenfell“ geschenkt bekam.

Um beide Romane soll es in diesem zweiteiligen Blogbeitrag gehen.

flattr this!

  • Kategorien

  • Archive