Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Auf der Suche nach dem Politischen in der Literatur

Januar 31, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft

»Brecht und wie weiter? Politisches in der Literatur heute« hieß eine Veranstaltung des ND-Literatursalons mit den Feuilletonredakteuren des Neuen Deutschland Irmtraud Gutschke und Christian Baron. Sich auf Brecht berufend, hatten die Veranstalter die Messlatte somit gleich sehr hoch gelegt. Brecht, das heißt, gleichermaßen hohe inhaltliche wie literarische, hohe weltanschauliche wie ästhetische Maßstäbe anzulegen.

Sein zum Eingang vorgetragenes Gedicht »An die Nachgeborenen« genauso wie der zum Beginn gelesene Auszug aus seinem Theaterstück »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« verblüffen, wie Gutschke hervorhob, in der Tat bis heute durch ihre erstaunliche Aktualität.

Aber ist es wirklich das, was Brecht und seine Texte gegenüber vielen seiner Zeitgenossen auszeichnet? Was ihn als Ausgangspunkt für die Suche nach dem Politischen in der Literatur heute so geeignet erscheinen lässt? Gab es nicht auch andere Schriftsteller, die ähnliche Weitsicht und politische Klarheit bewiesen?

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Benito Wogatzkis Romane „Das Narrenfell“ und „Fleur“ als Meisterwerke der Satire (Teil 2)

Dezember 21, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Als Benito Wogatzki den Roman „Fleur“ schreibt, ist die DDR längst Geschichte und ihm damit sein Spielfeld verloren gegangen. Hatte er die DDR bei allen ihren Mängeln grundsätzlich als das bessere Deutschland verstanden, die er deshalb durch Ironie befördern wollte, sieht er sich jetzt einem System gegenüber, das er grundsätzlich ablehnt.

Mit Detailkritik kommt er in „Fleur“ deshalb nicht mehr weiter. Im Brennpunkt steht jetzt das gesamte System. So bleibt ihm nur, alles mit Sarkasmus zu überziehen und ins Absurde abgleiten zu lassen.

Fleur und Julius haben sich einst geliebt. So sehr geliebt, dass sie nicht zueinanderfinden konnten. Als Julius Fleur kennenlernt, wird ihm klar, „dass der Irrweg seines Lebens – zu Ende war.“ Und Fleur fühlt: „Sie war nicht mehr allein, sie hatte Julius.“ Ihm konnte sie alles erzählen. Und das heißt vor allem, über ihre trotz Julius weiterhin wechselnden Männerbekanntschaften.

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Benito Wogatzkis Romane „Das Narrenfell“ und „Fleur“ als Meisterwerke der Satire (Teil 1)

Dezember 13, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

„Susanne Wogatzki““ stand auf einer dicken Postsendung, den ich vor einigen Wochen aus Frankreich erhielt. Susanne Wogatzki? Der innenliegende Brief ließ es mir wie Schuppen von den Augen fallen: Benito Wogatzki, an den ich anlässlich seines Todes am 25. Juli 2016 auf dem Sprachrand erinnert habe, hat die letzten anderthalb Jahrzehnte seines Lebens zu einem großen Teil in Südfrankreich verbracht.

Dass Susanne Wogatzki sich über diese Ehrung gefreut hat, hat wiederum auch mich gefreut, denn nun hielt ich endlich auch seinen letzten, 2014 vollendeten und erschienenen Roman in meinen Händen: „Fleur“.

Der Zufall – oder genauer gesagt ein vorausgegangenes längeres Gespräch mit einer guten Freundin über Benito Wogatzki und überhaupt die DDR-Literatur – wollte es, dass ich wenige Tage darauf auch noch seinen 1988 erschienenen Roman „Das Narrenfell“ geschenkt bekam.

Um beide Romane soll es in diesem zweiteiligen Blogbeitrag gehen.

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Robert Wolfgang Schnells Roman „Erziehung durch Dienstmädchen“ erinnert an den Märzaufstand gegen den Kapp-Putsch

November 30, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Am 8. März 2016 wäre der Schriftsteller Robert Wolfgang Schnell 100 Jahre alt geworden. Die Browse Gallery nutzte diesen Anlass, um mit einer Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien in Berlin an diesen heute weitgehend vergessenen Schriftsteller, Maler, Schauspieler und Theaterregisseur zu erinnern – für mich ein Anlass, nach langer Zeit wieder einmal zu seinem Roman „Erziehung durch Dienstmädchen“ zu greifen.

Erstmals mit Schnell in Berührung gekommen bin ich Ende der 1960er Jahre. Da lag seine Zeit als Regisseur am Deutschen Theater (unter dem legendären Intendanten Wolfgang Langhoff) bereits bald zwei Jahrzehnte zurück und war die von ihm, dem Schriftsteller und Grafiker Günter Bruno Fuchs sowie dem Bildhauer und Grafiker Günter Anlauf gegründete Kreuzberger Hinterhofgalerie Zinke schon lange Vergangenheit. Schnell und Fuchs, hieß es, seien Kommunisten, gar bis zu ihrem Verbot 1956 Mitglieder der KPD gewesen. Schnell bezeichnete sich selbst gern selbstironisch als einen »Stalinisten und Total-Demokraten«. Letzteres war er bestimmt, ersteres garantiert nicht.

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Volker Brauns Gedichtband „Handbibliothek der Unbehausten“ hält die Sehnsucht lebendig

Oktober 26, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Volker Brauns Gedichtband „Handbibliothek der Unbehausten“ hält die Sehnsucht lebendig

Seitdem die DDR und damit auch die Hoffnung auf eine menschlichere Gesellschaft untergegangen ist, gehört Volker Braun zu den Suchenden. Davon legt auch sein neuester, 2016 bei Suhrkamp erschienener Gedichtband „Handbibliothek der Unbehausten“ ein virtuoses Zeugnis ab.

Wie gerne würde Braun sich aus dem wenig erfreulichen, deprimierenden Hier und Heute in ferne Welten träumen, in denen es heiter und sorgenfrei zugeht. Gleich im den Lyrikband eröffnenden Gedicht „Bestimmung“ lesen wir von dieser Sehnsucht:

Ja, mein Sehnen geht ins Ferne
Wo ich heitre Dinge treibe.
Doch bestimmen mich die Sterne
DaĂź ich fest am Boden bleibe.

Doch Braun ist kein Träumer, der die Bodenhaftung verliert. Aber es ist nicht leicht, diese Bodenhaftung zu bewahren. Sie ist keine Beglückung, sondern eine Last:

Und so gern ich mich erhebe
Zieht mich eine Last nach unten
Eingenäht in mein Gewebe
Hat sie ihren Ort gefunden.

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