Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Über Maxim Gorkis „Warenka Olessow“ und seinen Disput mit Lenin (Teil 1)

August 31, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Es muss Ende der 1960er Jahren gewesen sein, dass mir Maxim Gorkis „Warenka Olessow“ in die Hände gefallen ist. Gehört hatte ich den Namen Gorki bereits, doch von ihm gelesen bis dato nichts. Den Band hatte ich irgendwo antiquarisch erstanden. Äußerlich machte er wenig her: Eingebunden in einen grünlichen, einen Leinenbezug vortäuschenden Pappeinband, gedruckt auf sichtbar nachgedunkeltem gelblichen Papier, präsentierte der 1946 im Aufbau-Verlag erschienene Sammelband außer der titelgebenden Erzählung fünf weitere Geschichten. Letztere beeindruckten mich damals allerdings bei Weitem nicht so wie „Warenka Olessow“.

Dass ich gerade jetzt wieder an diese Erzählung erinnert wurde, habe ich Walter Benjamin zu verdanken. Beim Schmökern in seinen Gesammelten Werken entdeckte ich auch seine Rezension des 1924 im Wiener Verlag für Literatur und Politik veröffentlichten Sammelbandes „Wladimir Iljitsch Lenin, Briefe an Maxim Gorki 1908–1913“. Fast folgerichtig musste ich dabei an „Warenka Olessow“ denken.

Die Handlung der Erzählung lässt sich in wenigen Sätzen wiedergeben:

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Selfpublisher und die ganz neuen, unkonventionellen, noch nie dagewesenen Ideen

Juli 10, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Die Welt des Book on Demand

Mein kürzlicher Blogbeitrag »Mit dem Selfpublishing sollte alles anders werden – Konservatismus war damit jedoch nicht gemeint« erntete heftigen Widerspruch – allerdings nicht auf dem Sprachrand, sondern auf Facebook. Da dieser Widerspruch eine grundsätzliche und damit auch längere Antwort verdient, erschienen mir allerdings sowohl Facebook wie auch der Sprachrand dafür weniger geeignet als dieser Blog auf den Buchentdeckungen.

Am Anfang soll ein etwas längeres Zitat aus dem Blogbeitrag auf dem Sprachrand stehen. In ihm hatte ich unter anderem geschrieben:

Was wurde Mitte der 1990er Jahre gejubelt, als mit dem aufkommenden Digitaldruck ganz neue Veröffentlichungsmöglichkeiten entstanden. Endlich konnte jeder nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen. Niemand musste sich mehr den Profitinteressen der Verlage unterordnen. Ganz viel Neues, noch nie Dagewesenes sollte entstehen.

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Über Heimatverlust und Heimischwerden in Shida Bazyars Roman »Nachts ist es leise in Teheran«

Juni 30, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Dass ich von Büchern, die in Zeitungen wie der FAZ; dem Tagesspiegel, der taz oder dem Spiegel als große Literatur gefeiert werden, begeistert bin, kommt nicht allzu häufig vor. Doch für Shida Bazyars Anfang 2016 erschienenen Roman »Nachts ist es leise in Teheran« trifft das uneingeschränkt zu.

Hatte Bazyar sich bislang auf Kurzgeschichten und ähnliche kurze Texte beschränkt, ist ihr mit ihrem ersten Roman auf Anhieb ein großer Wurf gelungen. In vier Kapiteln erzählt sie über Behsad, seine Frau Nahid, ihre Tochter Laleh und ihren Sohn Morad. Jedes Kapitel ist dabei aus der Sicht eines anderen Protagonisten geschrieben.

Vier Kapitel – vier Sichtweisen

1979, die revolutionäre Bewegung aus Kommunisten und Muslims hat den Schah gestürzt. Behsad, aus dessen Sicht Bazyar dieses Kapitel geschrieben hat, träumt wie viele Iraner von einem freien, demokratischen und vielleicht sogar sozialistischen Iran. In der studierten Literaturwissenschaftlerin Nahid findet Behsad zudem seine große Liebe.

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Ruth Rehmanns Roman „Abschied von der Meisterklasse“ ist mehr als das Portrait einer egozentrischen Künstlerin (Teil 2)

Mai 13, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Wenn Ruth Rehmann in ihrem Roman „Abschied von der Meisterklasse“ ihre Protagonistin Claire Schuhmann einräumen lässt, man könne „gewiss allerhand aussetzen an dieser Zeit […], aber dem Musikleben hat sie einen mächtigen Auftrieb gegeben“, dann greift sie ein beliebtes Argument der Nachkriegszeit auf, mit dem versucht wurde und wird, die verbrecherische Politik der Nazis zu verharmlosen: Man könne an dieser Zeit viel aussetzen, aber die Massenarbeitslosigkeit sei beseitigt worden, Autobahnen seien gebaut worden und „Kraft durch Freude“ habe vielen Arbeitern erstmals zu einer Urlaubsreise verholfen. Was wögen dagegen schon die Millionen Opfer in den Konzentrationslagern, die Tausenden in den Gestapo-Kellern zu Tode Gefolterten, die Hunderttausenden Zwangsarbeiter?

Und schon gar nichts will Claire auf Elly Ney kommen lassen. Elly Ney, eine „alte Nazisse“? Claire ist empört über diesen Vorwurf.

Auch dies kommt einem bekannt vor. Kiesinger ein alter Nazi? Globke? Lübke? Selbstverständlich nicht. Dass sie als Propagandisten, Baumeister und Verfasser von Gesetzen den NS-Staat aktiv unterstützt haben, sind natürlich alles nur Lügen der Kommunisten.

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Ruth Rehmanns Roman „Abschied von der Meisterklasse“ ist mehr als das Portrait einer egozentrischen Künstlerin (Teil 1)

April 30, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Hätte es nicht die zahlreichen Nachrufe auf die am 29. Januar 2016 kurz vor ihrem 94. Geburtstag verstorbene Schriftstellerin gegeben, der Name Ruth Rehmann wäre mir wohl auch heute noch unbekannt. Dabei ist ihr Werk nicht gerade klein zu nennen. Zudem gehörte sie zu den Autorinnen und Autoren der legendären Gruppe 47.

Trotzdem stand sie immer im Schatten von Schriftstellern wie Günter Grass, Martin Walser oder Heinrich Böll. An ihren Büchern lag dies nicht. Eher an ihrer Zurückhaltung, was ihre eigenen Werke betraf, und den teilweise vielen Jahren Abstand zwischen ihren Veröffentlichungen. Immerhin weist die Deutsche Nationalbibliothek aber 13 Romane und Erzählbände von ihr aus, zu denen noch rund ein Dutzend Hörspiele hinzukommen.

Eines ihrer Werke möchte ich in diesem Blogbeitrag vorstellen.

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