Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Günter Grass’ „Was gesagt werden muss“ ist ein wichtiges Gedicht zur richtigen Zeit

April 09, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher, Literatur und Gesellschaft

Selten hat in der jüngeren Vergangenheit ein Gedicht ähnlich hohe Wellen geschlagen wie Günter Grass’ „Was gesagt werden muss“. Die Welt wütet, Günter Grass sei „durchgeknallt“ und „nicht ganz dicht“. Für die FAZ ist sein Gedicht ein „Machwerk des Ressentiments“ und die angeblich so liberale Zeit rückt es gar in die Nähe von „NPD-Pamphleten“. Würdig in die Phalanx dieser Hetzer reiht sich die taz ein, für die sich Grass mit seinem Gedicht „zum Märtyreropfer von Juden stilisiert“.

Für Herta Müller hat Günter Grass schlichtweg keine Berechtigung, einen derartigen Text zu schreiben, denn „Wenn man einmal in der SS-Uniform gekämpft hat, dann ist man nicht mehr in der Lage, neutral zu urteilen“ – und sei man damals auch erst 17 Jahre gewesen. Die Berechtigung hat dagegen Herta Müller, die in ihrem Roman „Herztier“ die Verbrechen der SS – der ihr Vater angehörte – zu verharmlosen suchte, als sie verkündete, viel schlimmer als die SS habe später im sozialistischen Rumänien die Securitate gewütet. Wo die SS hinkam, habe sie Friedhöfe gemacht, Hauptmann Pjele dagegen „machte Friedhöfe sogar an Orten, die er nicht betrat.“ Natürlich weiß Herta Müller zudem, dass es sich bei Grass’ Gedicht in Wirklichkeit um gar „kein Gedicht“ handelt, denn da „steht kein einziger literarischer Satz drin“.

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Zwei Welten: Wolfgang Herrndorfs „Sand“ und Sherko Fatahs „Ein weißes Land“

März 30, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher

Ich bin glücklich! Auch wenn das vermutlich kaum eine Leserin oder einen Leser dieses Blogs interessieren wird, musste das gesagt werden. Oder genauer: Ich bin froh – weil ich mir keine Zeilen für das Feuilleton irgendeiner mehr oder weniger wichtigen Zeitung abringen muss. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Erzählerpreis 2008, dem Brentano-Preis 2011, dem Hans-Fallada-Preis 2012 und jetzt auch noch dem Preis der Leipziger Buchmesse: Anderes als eine Jubelarie für Wolfgang Herrndorf und seinen Roman „Sand“ würde ich nicht wagen.

Aber in meinem Blog darf ich mich über sämtliche Lobeshymnen für den Autor und sein Werk hinwegsetzen, darf anecken, wo und so viel ich mag.

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Franziska zu Reventlows »Herrn Dames Aufzeichnungen« entführen in das Mysterium Wahnmoching

Februar 10, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

»Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil« gelten als das wichtigste Buch von Franziska zu Reventlow. Hinter diesem »merkwürdigen Stadtteil«, der im Roman nur Wahnmoching heißt, verbirgt sich nichts anderes als Schwabing, die Heimat der Münchner Boheme. Im Mittelpunkt steht der Kreis der Kosmiker um den Mystiker Alfred Schuler, die Dichter Stefan George und Karl Wolfskehl sowie den Graphologen Ludwig Klages.

Eine Zeitlang gehörte diesem Kreis auch Franziska zu Reventlow an. Doch dessen Heidentum, seine Führerverehrung, sein Antisemitismus, seine Geschwätzigkeit begannen sie bald immer mehr abzustoßen. Als sie »Herrn Dames Aufzeichnungen« schrieb, hatte Franziska zu Reventlow sich bereits von ihm abgewandt und München lange verlassen.

In dem Roman rechnete sie mit viel Humor und vorgeblicher Naivität mit der Wahnmochinger Boheme ab. Berichtet wird aus der Sicht des Herrn Dame.

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Mit Eberhard Panitz auf Spurensuche zwischen Kaukasus, Wien und Berlin

Januar 25, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Was geschah mit Siggi Fink? Starb er tatsächlich am Elbrus? Oder lebte er nach dem Krieg vielleicht doch eine zeitlang in Wien? Und was geschah mit seiner Frau Katja? Wer veranlasste ihre Entführung? Oder war es gar keine Entführung? Auch wenn sich Siggis Tochter Lisa und ihr Mann Martin Widerspan an jeden Strohhalm klammern, das Geheimnis doch noch lüften zu können, ernsthaft zu hoffen wagen sie es schon lange nicht mehr.

Doch dann trifft Martin den Ich-Erzähler des Romans wieder. Vor Jahrzehnten sind sie sich am Schwarzen Meer zum ersten Mal begegnet. Ihre Wiederbegegnung und ein ominöser Besucher aus dem Westen Deutschlands verleihen Lisas und Martins Suche neuen Schwung. Sollte das unmöglich Scheinende doch noch möglich werden?

Auf 250 Seiten lässt Eberhard Panitz in seiner Novelle „Der geheime Rotbannerorden“ die Leser mit Martin, Lisa und dem Ich-Erzähler auf Spurensuche gehen und dabei mehr als ein halbes Jahrhundert Geschichte lebendig werden.

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Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ hat nur wenig von seiner Aktualität verloren (Teil 2)

Dezember 19, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher

Die öffentliche Resonanz, die Christa Wolfs Erzählung „Der geteilte Himmel“ im Osten wie im Westen auslöste, war überwältigend. Inhaltlich unterschied sich die Aufnahme ihres Werkes allerdings ganz grundsätzlich. Da damals an das Internet noch lange nicht zu denken war, war ich zum Abitur weitgehend auf meine eigenen Überlegungen angewiesen. Von den meisten Buchkritiken und Diskussionen wusste ich damals noch nichts. Anders verhielt es sich mit den politischen Rahmenbedingungen.

Auch wenn die westlichen Medien alle Vorwürfe gegen Adenauers Staatssekretär Hans Globke als kommunistische Propaganda und Hetze abzutun versuchten, seit Anfang der sechziger Jahre ließ sich nur noch schwer leugnen, dass Globke an den Nürnberger Rassegesetzen mitgeschrieben hatte. Mitte der sechziger Jahre gerieten dann auch Bundespräsident Heinrich Lübke wegen seiner KZ-Baupläne und schließlich ebenso Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner Mitverantwortung für die Auslandspropaganda der Nazis zunehmend in die öffentliche Kritik.

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