Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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September 15, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Die Welt des Book on Demand

Dieser Blog wird leider nicht weitergefĂŒhrt, da Heinz W. Pahlke am 20.08.2017 ĂŒberraschend verstorben ist. Zur Bewahrung seiner Gedanken bleiben die bestehenden BeitrĂ€ge jedoch weiterhin online einsehbar.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch ĂŒber Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 4)

Juli 31, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher

Zu recht hebt Wolfgang Beutin in seinem Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ die große Aufmerksamkeit hervor, die Luther der Sprache schenkte. So zitiert er aus seiner 1524 verfassten Schrift „An die Radherrn aller stedte deutsches lands: das sie Christliche schulen auffrichten und hallten sollen“, dass der Teufel „mein Denken nicht so hoch wie meine Sprache und Schreibfeder“ veranschlage. Sein Denken raube ihm „nichts als nur mich allein“, wĂ€hrend die Schrift und die Sprache seinen Wirkungsradius einschrĂ€nkten.

Der teuffel achtet meynen geyst nicht so fast, alls meine sprache und feder ynn der schrifft. Denn meyn geyst nympt yhm nichts denn mich alleyn. Aber die heyligen schrifft und sprachen machen yhm die wellt zu enge, und thut yhm schaden ynn seym reich.

Alleine Denken bewirke nichts, war Luther ĂŒberzeugt, wenn es nicht auch ausgesprochen und vor allem so ausgesprochen werde, dass es andere verstehen können. Und die Bibel war eines zweifellos nicht: dem gemeinen Volk verstĂ€ndlich.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch ĂŒber Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 3)

Juni 03, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher

Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ zeigt einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator. Das betrifft nicht nur seine Haltung gegenĂŒber Juden und TĂ€ufern, sondern genauso zu den aufbegehrenden Bauern. Radikal war aber auch Luthers Einstellung zu den Frauen, zumindest was ihre Bildungschancen betraf.

Im ersten Moment mag es erstaunen, dass Luther gleichzeitig heftige Kritik an der Obrigkeit ĂŒben und doch auch die bedingungslose Unterwerfung der Untertanen unter genau diese Obrigkeit verlangen konnte. So kritisierte er in seiner 1527 veröffentlichten Schrift „Ob kriegsleutte auch yun seligem stande seyn kĂŒnden“, es sei „leyder allzuwar, das der mehrer teyl FĂŒrsten und herrn gottlosen Tyrannen vnd Gotts feinde sind“.

Und in einem Schreiben an den sĂ€chsischen Kanzler Gregor BrĂŒck prangerte er der „widerwĂ€rtigen FĂŒrsten Frevel“ an.

Ein Recht der Untertanen, sich gegen die Tyrannei und Frevel dieser Obrigkeit aufzulehnen, leitete Luther daraus jedoch nicht ab. Im Gegenteil: Selbst die schlimmste Tyrannei und grĂ¶ĂŸten Frevel der Obrigkeit sollten die Untertanen zu bedingungslosem Gehorsam verpflichten.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch ĂŒber Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 2)

Mai 01, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher

Nicht nur gegenĂŒber den Juden ließ Luther jegliche Menschlichkeit vermissen. Mit der gleichen HĂ€rte wĂŒtete er ebenfalls gegen die damals noch als WiedertĂ€ufer bezeichneten TĂ€ufer.

Vor allem in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden wurden die TĂ€ufer von der weltlichen wie kirchlichen Obrigkeit mit Ă€ußerster BrutalitĂ€t verfolgt und zu Tausenden umgebracht. Obwohl sie mit ihrer scharfen Kritik an der katholischen Kirche Teil der Reformationsbewegung waren, tolerierte Luther ihre Verfolgung nicht nur, sondern begrĂŒĂŸte sie sogar ausdrĂŒcklich. Beutin zitiert dazu unter anderem die Bemerkung Luthers: „Die WiedertĂ€ufer sind geköpft! Denn sie sind aufrĂŒhrerisch und lassen nicht ab von ihrem Irrtum.“

Die TĂ€ufer erhoben allerdings nicht nur kirchliche, sondern ebenso politische Forderungen. Dazu gehörte beispielsweise auch die Trennung von Kirche und Staat. Die TĂ€ufer bildeten allerdings keine einheitliche Bewegung. Nur eine kleine Minderheit war bereit, auch mit dem Schwert gegen die gottlose Obrigkeit zu kĂ€mpfen. Die große Mehrheit dagegen lehnte ausdrĂŒcklich jegliche Gewalt ab. Die bestehende gesellschaftliche Ordnung wurde von ihr zwar kritisiert, aber zugleich als gegeben akzeptiert.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch ĂŒber Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 1)

April 30, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher

Rechtzeitig zum Reformationsjahr 2017, das in der Öffentlichkeit fĂ€lschlicherweise oft zu einem Lutherjahr degradiert wird, hat der Historiker und Literaturwissenschaftler Wolfgang Beutin sein Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ vorgelegt. Oder genauer gesagt: die dritte, stark ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage des bereits 1982 im Vorfeld von Luthers 500. Geburtstag in erster und 1983 im Jahr seines 500. Geburtstages in zweiter Auflage erschienenen Titels. Das Ausmaß dieser Überarbeitung widerspiegelt nicht zuletzt auch der um 70 Prozent gewachsene Seitenumfang.

Wenn sich Beutin auf Luther beschrĂ€nkt, heißt das aber nicht, dass er die anderen VĂ€ter der Reformation ausklammern wĂŒrde. Auf dessen Mitstreiter und Widersacher geht er jedoch nur in dem Umfang ein, wie es fĂŒr ein besseres VerstĂ€ndnis der geschichtlichen und theologischen Bedeutung Luthers geboten erscheint.

Die Grundrichtung seines LutherverstĂ€ndnisses offenbart Beutin bereits im Buchtitel „Der radikale Doktor Martin Luther“ und unterstreicht er auch noch einmal in seinem Vorwort, wenn er ankĂŒndigt, dass in dem Buch „der ‚radikale‘ Doktor Martin Luther hervorgekehrt“ werde.

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