Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 1)
Erich Mühsam ist schuld. Seit langem stand für mich fest, dass es von mir keinen Blog geben werde. Doch dann kam eine Einladung zu einer Gedenkverstaltung anlässlich des 75. Todestages von Erich Mühsam, des anarchistischen Dichters und Rebells, der nach monatelangen Quälereien in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1934 von einem bayerischen SS-Kommando im KZ Oranienburg ermordet wurde.
Ein dünnes Bändchen mit Bänkelliedern und Gedichten, das der Rowohlt-Verlag 1978 herausgegeben hatte, bedeutete meine erste Begegnung mit dem streitbaren Schriftsteller und Politiker. Es war das gleiche Jahr, in dem die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ die Öffentlichkeit erregten, in dem Gilbert Baker die Regenbogenflagge zum Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung machte, der sozialdemokratische Bundesverteidigungsminister Georg Leber gegen den ausdrücklichen Wunsch des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Helmut Schmidt die politische Verantwortung für illegale Bespitzelungen durch den Militärischen Abschirmdienst übernahm, Israel den Südlibanon besetzte, der italienische Christdemokrat Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt und ermordet wurde – spätere Untersuchungen wiesen die Beteiligung gleich mehrerer Geheimdienste nach –, Johannes Mario Simmel den beim Wirtschaftswunder zu kurz gekommenen Bürgern mit „Hurra, wir leben noch“ zu ein wenig Genugtuung verhalf, Deutschland vom Deutschen Herbst gezeichnet wurde und sich unter dem Eindruck der Neutronenbombenpläne der USA eine Antikriegsbewegung zu formieren begann.
