Claudio Magrisâ Eurydike zieht die Unterwelt dem âhöllischen Durcheinanderâ der Oberwelt vor
Dienstag Abend im Hörsaal 1b der Freien UniversitĂ€t Berlin: Der italienische Schriftsteller Claudio Magris ist zu Gast. Bewusst begegnet bin ich seinem Namen das erste Mal, als Magris im Sommer vergangenen Jahres mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Spontan kaufte ich mir damals âDie Welt en gros und en dĂ©tailâ â und war fasziniert. Lange schon hatte mich kein Buch mehr so in seinen Bann gezogen.
Heute Abend steht allerdings ein anderes Werk von ihm im Mittelpunkt: Das vom Carl-Hanser-Verlag punktgenau zur Preisverleihung auf den Markt gebrachte âVerstehen Sie mich bitte rechtâ. AnnĂ€hernd 300 Interessierte dĂŒrften gekommen sein, um eine moderne Aufbereitung der Sage von Orpheus und Eurydike kennenzulernen.
Die moderne Eurydike musste sich, weil sich ihr âGesundheitszustand schlagartig [âŠ] verschlechtert hatteâ, in ein Heim einweisen lassen. Doch es ist kein modernes, lichtes Haus, sondern ein Ort des DĂ€mmerlichts, in dem die Menschen ihre IndividualitĂ€t verlieren und zur einer grauen Masse werden. â[âŠ] hier drinnen sieht man [âŠ] wenig, ein Schatten gleitet vorbei, ehe man sein Gesicht erkennen kann, ganz abgesehen davon, dass alle Ă€hnlich aussehenâ.
