Der Fall Helene Hegemann: Eine Autorin demontiert sich selbst
Eines muss man Helene Hegemann lassen: Sie versteht es, mit vielen, oft kompliziert aufgebauten SĂ€tzen wenig zu sagen. Dabei ahnt man trotz allem, dass sie zu schreiben versteht. In der Zeit, die ihr groĂzĂŒgig Platz fĂŒr ein Pamphlet An meine Kritiker einrĂ€umte, hat sie die Chance allerdings ein weiteres Mal vertan.
Offenbar vermag Helene Hegemann noch immer nicht zu verstehen, worum es geht. Stattdessen sieht sie sich unverĂ€ndert als Opfer einer Kampagne. Nie habe sie verheimlicht, abgeschrieben zu haben, behauptet sie â und will uns unverdrossen einreden, dass Abschreiben eine seit Jahrhunderten ĂŒbliche (und gesellschaftlich gebilligte) Praxis in der Literatur sei. Vorgeworfen hĂ€tten die Kritiker ihr das nur, um sie nicht ernst nehmen zu mĂŒssen und sie beleidigen zu können.
Dass sie von der Literaturkritik anfangs emphatisch als »Wunderkind der Berliner Kreativszene« gefeiert und ihr Roman âAxolotl Roadkillâ sogleich zu jenem MaĂstab erhoben emporgejubelt wurde, an dem sich âdieses Jahr wohl alle deutschsprachigen RomandebĂŒtsâ wĂŒrden messen lassen mĂŒssen, scheint sie verdrĂ€ngt zu haben. So euphorisch sie von der Kritik gerade noch gefeiert wurde, so skrupel- und erbarmungslos wurde sie allerdings fallengelassen, als die ersten PlagiatsvorwĂŒrfe aufkamen.
Der Fall Helene Hegemann: Ein Armutszeugnis fĂŒr die Literaturkritik, schrieb ich damals in einem Blogbeitrag.
Konnte man Helene Hegemann, als sie fĂŒr ihren Roman âAxolotl Roadkillâ abschrieb, noch UnbekĂŒmmertheit zugutehalten, und ihre ersten Reaktionen als Ausdruck von Trotz und Hilflosigkeit verstehen, fĂ€llt VerstĂ€ndnis zunehmend schwerer. Ihren Kritikern, behauptet sie, ginge es gar nicht um das â nach ihrem VerstĂ€ndnis immer noch völlig unbedeutende â Abschreiben von anderen Autoren, sondern darum, âdass ich in einem Bereich arbeite, in dem andere Leute auch arbeiten, und einige dieser Leute haben ein Problem mit mir.â
Von hier ist es dann nicht mehr weit zum âKinder-Erwachsenen-Rassismusâ, gegen den sie heroisch ankĂ€mpft, um schlieĂlich gar noch eine âfaschistische âRebellionââ gegen sich auszumachen. So kann man sich erfolgreich auch selbst demontieren. Die Plattform lieferte ihr die Zeit.
