Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

Subscribe

Artikel der Kategorie September, 2010

In den zum Deutschen Buchpreis nominierten Büchern wird mir zu wenig gefragt und erzählt

September 27, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 1 Kommentar →

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2010 ist veröffentlicht. Keinen der auf ihr stehenden sechs Titel habe ich gelesen. Aber das überrascht mich nicht. Wenn es um aktuelle Literatur geht, stehe ich meistens abseits. Die Bücher, die mich in den Bann ziehen, kommen über Achtungserfolge im Literaturbetrieb selten hinaus, die Bestseller wiederum reizen mich selten. Meistens lege ich sie im Buchladen nach kurzem Hineinschmökern enttäuscht beiseite. Nur um mitreden zu können, mag ich sie nicht lesen. Dazu ist mir meine Zeit viel zu schade.

Von allen nominierten BĂĽchern gibt es auch in diesem Jahr wieder Leseproben. Vor allem auf diese beziehen sich meine Anmerkungen in diesem Blogbeitrag.

Andernorts

Im Mittelpunkt von Doron Rabinovicis Andernorts steht eine jĂĽdische Familie, die auf der Suche nach ihrer Identität ist. Schon nach der ersten Seite möchte ich Rabinovici zurufen: „Show, don’t tell“. Er behauptet viel zu viel anstatt es zu zeigen. Und bei Sätzen wie „In der Tiefe tauchte die Stadt auf und die Flachdächer“ möchte ich immer zum Rotstift greifen und korrigieren. Merken denn Autor und Lektor nicht, dass hier der Plural „tauchten“ stehen muss?

flattr this!

Schlimmer als die SS war die Securitate – behauptet jedenfalls Herta Müller in „Herztier“

September 09, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

An einem gibt es für mich nicht zu rütteln: Herta Müller kann schreiben. Und das meint: Hervorragend schreiben. Sie versteht ihr Handwerk wie wenige andere zeitgenössische deutschsprachige Autoren. „Herztier“, das ich bei einem Freund im Bücherregal entdeckte, habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen – ich, der bislang nur wenig von den Büchern Herta Müllers gehalten habe.

Sätze wie „Das Proletariat der Blechschafe und Holzmelonen ging nach der Schicht in die erste Kneipe“, „Ich sah Lolas Gegend in Edgars Gesicht“, „Ein verlorener Krieg, ein heimgekehrter SS-Soldat […] Er hatte Friedhöfe gemacht und machte der Frau schnell ein Kind“, Was ich tun muss, wird Gott nicht verzeihen. Aber mein Kind wird niemals Schafe mit roten Füßen treiben“ oder „Ich flog meinen Füßen nach, meine Füße flogen nicht weit“ sind einfach genial.

flattr this!