Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Artikel der Kategorie ‘Autoren und Bücher’

Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 4)

Juli 31, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Zu recht hebt Wolfgang Beutin in seinem Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ die große Aufmerksamkeit hervor, die Luther der Sprache schenkte. So zitiert er aus seiner 1524 verfassten Schrift „An die Radherrn aller stedte deutsches lands: das sie Christliche schulen auffrichten und hallten sollen“, dass der Teufel „mein Denken nicht so hoch wie meine Sprache und Schreibfeder“ veranschlage. Sein Denken raube ihm „nichts als nur mich allein“, während die Schrift und die Sprache seinen Wirkungsradius einschränkten.

Der teuffel achtet meynen geyst nicht so fast, alls meine sprache und feder ynn der schrifft. Denn meyn geyst nympt yhm nichts denn mich alleyn. Aber die heyligen schrifft und sprachen machen yhm die wellt zu enge, und thut yhm schaden ynn seym reich.

Alleine Denken bewirke nichts, war Luther überzeugt, wenn es nicht auch ausgesprochen und vor allem so ausgesprochen werde, dass es andere verstehen können. Und die Bibel war eines zweifellos nicht: dem gemeinen Volk verständlich.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 3)

Juni 03, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ zeigt einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator. Das betrifft nicht nur seine Haltung gegenüber Juden und Täufern, sondern genauso zu den aufbegehrenden Bauern. Radikal war aber auch Luthers Einstellung zu den Frauen, zumindest was ihre Bildungschancen betraf.

Im ersten Moment mag es erstaunen, dass Luther gleichzeitig heftige Kritik an der Obrigkeit üben und doch auch die bedingungslose Unterwerfung der Untertanen unter genau diese Obrigkeit verlangen konnte. So kritisierte er in seiner 1527 veröffentlichten Schrift „Ob kriegsleutte auch yun seligem stande seyn künden“, es sei „leyder allzuwar, das der mehrer teyl Fürsten und herrn gottlosen Tyrannen vnd Gotts feinde sind“.

Und in einem Schreiben an den sächsischen Kanzler Gregor Brück prangerte er der „widerwärtigen Fürsten Frevel“ an.

Ein Recht der Untertanen, sich gegen die Tyrannei und Frevel dieser Obrigkeit aufzulehnen, leitete Luther daraus jedoch nicht ab. Im Gegenteil: Selbst die schlimmste Tyrannei und größten Frevel der Obrigkeit sollten die Untertanen zu bedingungslosem Gehorsam verpflichten.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 2)

Mai 01, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Nicht nur gegenüber den Juden ließ Luther jegliche Menschlichkeit vermissen. Mit der gleichen Härte wütete er ebenfalls gegen die damals noch als Wiedertäufer bezeichneten Täufer.

Vor allem in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden wurden die Täufer von der weltlichen wie kirchlichen Obrigkeit mit äußerster Brutalität verfolgt und zu Tausenden umgebracht. Obwohl sie mit ihrer scharfen Kritik an der katholischen Kirche Teil der Reformationsbewegung waren, tolerierte Luther ihre Verfolgung nicht nur, sondern begrüßte sie sogar ausdrücklich. Beutin zitiert dazu unter anderem die Bemerkung Luthers: „Die Wiedertäufer sind geköpft! Denn sie sind aufrührerisch und lassen nicht ab von ihrem Irrtum.“

Die Täufer erhoben allerdings nicht nur kirchliche, sondern ebenso politische Forderungen. Dazu gehörte beispielsweise auch die Trennung von Kirche und Staat. Die Täufer bildeten allerdings keine einheitliche Bewegung. Nur eine kleine Minderheit war bereit, auch mit dem Schwert gegen die gottlose Obrigkeit zu kämpfen. Die große Mehrheit dagegen lehnte ausdrücklich jegliche Gewalt ab. Die bestehende gesellschaftliche Ordnung wurde von ihr zwar kritisiert, aber zugleich als gegeben akzeptiert.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 1)

April 30, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Rechtzeitig zum Reformationsjahr 2017, das in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft zu einem Lutherjahr degradiert wird, hat der Historiker und Literaturwissenschaftler Wolfgang Beutin sein Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ vorgelegt. Oder genauer gesagt: die dritte, stark überarbeitete und erweiterte Auflage des bereits 1982 im Vorfeld von Luthers 500. Geburtstag in erster und 1983 im Jahr seines 500. Geburtstages in zweiter Auflage erschienenen Titels. Das Ausmaß dieser Überarbeitung widerspiegelt nicht zuletzt auch der um 70 Prozent gewachsene Seitenumfang.

Wenn sich Beutin auf Luther beschränkt, heißt das aber nicht, dass er die anderen Väter der Reformation ausklammern würde. Auf dessen Mitstreiter und Widersacher geht er jedoch nur in dem Umfang ein, wie es für ein besseres Verständnis der geschichtlichen und theologischen Bedeutung Luthers geboten erscheint.

Die Grundrichtung seines Lutherverständnisses offenbart Beutin bereits im Buchtitel „Der radikale Doktor Martin Luther“ und unterstreicht er auch noch einmal in seinem Vorwort, wenn er ankündigt, dass in dem Buch „der ‚radikale‘ Doktor Martin Luther hervorgekehrt“ werde.

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Aslı Erdoğans Romane „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ im Vergleich (Teil 2)

März 27, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Nur zwei Jahre nach „Der wundersame Mandarin“ erschien in der Türkei 1998 Aslı Erdoğans Roman „Die Stadt mit der roten Pelerine“. Im Vergleich zum wundersamen Mandarin ist er wesentlich komplizierter konstruiert. Im ersten Moment scheint er allerdings ähnlich eingängig geschrieben zu sein. Wieder versetzt uns Erdoğan gleich in den ersten Sätzen in eine fremde Stadt. Diesmal jedoch nicht in das betuliche Genf, sondern ins quirlige Rio de Janeiro.

„Rio ist der schönste Ort der Welt“ – jedenfalls behaupten das „die Einwohner über ihre Stadt“, eröffnet Erdoğans Protagonistin den Leserinnen und Lesern. Doch ihre Protagonistin will keine Loblieder anstimmen, wie sie sogleich verkündet. Im Gegenteil: Sie verbinde schon lange nichts mehr mit dieser Stadt, obwohl auch sie einst ihrem Zauber erlegen war.

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