Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Artikel der Kategorie ‘Autoren und Bücher’

Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 2)

Mai 01, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Nicht nur gegenüber den Juden ließ Luther jegliche Menschlichkeit vermissen. Mit der gleichen Härte wütete er ebenfalls gegen die damals noch als Wiedertäufer bezeichneten Täufer.

Vor allem in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden wurden die Täufer von der weltlichen wie kirchlichen Obrigkeit mit äußerster Brutalität verfolgt und zu Tausenden umgebracht. Obwohl sie mit ihrer scharfen Kritik an der katholischen Kirche Teil der Reformationsbewegung waren, tolerierte Luther ihre Verfolgung nicht nur, sondern begrüßte sie sogar ausdrücklich. Beutin zitiert dazu unter anderem die Bemerkung Luthers: „Die Wiedertäufer sind geköpft! Denn sie sind aufrührerisch und lassen nicht ab von ihrem Irrtum.“

Die Täufer erhoben allerdings nicht nur kirchliche, sondern ebenso politische Forderungen. Dazu gehörte beispielsweise auch die Trennung von Kirche und Staat. Die Täufer bildeten allerdings keine einheitliche Bewegung. Nur eine kleine Minderheit war bereit, auch mit dem Schwert gegen die gottlose Obrigkeit zu kämpfen. Die große Mehrheit dagegen lehnte ausdrücklich jegliche Gewalt ab. Die bestehende gesellschaftliche Ordnung wurde von ihr zwar kritisiert, aber zugleich als gegeben akzeptiert.

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Wolfgang Beutins Streit- und Lesebuch über Luther offenbart einen in jeder Hinsicht radikalen Reformator (Teil 1)

April 30, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Rechtzeitig zum Reformationsjahr 2017, das in der Öffentlichkeit fälschlicherweise oft zu einem Lutherjahr degradiert wird, hat der Historiker und Literaturwissenschaftler Wolfgang Beutin sein Streit- und Lesebuch „Der radikale Doktor Martin Luther“ vorgelegt. Oder genauer gesagt: die dritte, stark überarbeitete und erweiterte Auflage des bereits 1982 im Vorfeld von Luthers 500. Geburtstag in erster und 1983 im Jahr seines 500. Geburtstages in zweiter Auflage erschienenen Titels. Das Ausmaß dieser Überarbeitung widerspiegelt nicht zuletzt auch der um 70 Prozent gewachsene Seitenumfang.

Wenn sich Beutin auf Luther beschränkt, heißt das aber nicht, dass er die anderen Väter der Reformation ausklammern würde. Auf dessen Mitstreiter und Widersacher geht er jedoch nur in dem Umfang ein, wie es für ein besseres Verständnis der geschichtlichen und theologischen Bedeutung Luthers geboten erscheint.

Die Grundrichtung seines Lutherverständnisses offenbart Beutin bereits im Buchtitel „Der radikale Doktor Martin Luther“ und unterstreicht er auch noch einmal in seinem Vorwort, wenn er ankündigt, dass in dem Buch „der ‚radikale‘ Doktor Martin Luther hervorgekehrt“ werde.

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Aslı Erdoğans Romane „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ im Vergleich (Teil 2)

März 27, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Nur zwei Jahre nach „Der wundersame Mandarin“ erschien in der Türkei 1998 Aslı Erdoğans Roman „Die Stadt mit der roten Pelerine“. Im Vergleich zum wundersamen Mandarin ist er wesentlich komplizierter konstruiert. Im ersten Moment scheint er allerdings ähnlich eingängig geschrieben zu sein. Wieder versetzt uns Erdoğan gleich in den ersten Sätzen in eine fremde Stadt. Diesmal jedoch nicht in das betuliche Genf, sondern ins quirlige Rio de Janeiro.

„Rio ist der schönste Ort der Welt“ – jedenfalls behaupten das „die Einwohner über ihre Stadt“, eröffnet Erdoğans Protagonistin den Leserinnen und Lesern. Doch ihre Protagonistin will keine Loblieder anstimmen, wie sie sogleich verkündet. Im Gegenteil: Sie verbinde schon lange nichts mehr mit dieser Stadt, obwohl auch sie einst ihrem Zauber erlegen war.

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Aslı Erdoğans Romane „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ im Vergleich (Teil 1)

Februar 28, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

2008 schien die Welt noch in Ordnung. Damals war die Türkei Gastland der Frankfurter Buchmesse. Mit deutschsprachigen Übersetzungen türkischer Autorinnen und Autoren sah es jedoch schlecht aus. Seit Längerem versuchte das Ministeriums für Kultur und Tourismus der Türkei diesen Missstand mit dem TEDA-Programm gegenzusteuern. Dank der Unterstützung durch TEDA konnten mit Aslı Erdoğans „Der wundersame Mandarin“ und „Die Stadt mit der roten Pelerine“ pünktlich zur Buchmesse zwei weitere Romane aus der Türkei auf dem deutschen Buchmarkt erscheinen.

Heute gilt Erdoğan dagegen dem Regime von als höchst gefährliche Staatsfeindin. (Trotz der Namensgleichheit ist Aslı Erdoğan übrigens nicht mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdoğan verwandt. Erdoğan ist in der Türkei vielmehr ein weitverbreiteter Name.) Im August 2016 in Istanbul im Rahmen einer Verhaftungswelle von 23 Journalisten und Mitarbeitern der türkisch-kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem wegen „Propaganda für eine illegale Organisation“, „Mitgliedschaft bei einer illegalen Organisation“ und „Volksverhetzung“ festgenommen, wurde im Dezember 2016 der Prozess gegen die Schriftstellerin und acht weitere Angeklagte vor einem Instanbuler Gericht eröffnet.

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Benito Wogatzkis Romane „Das Narrenfell“ und „Fleur“ als Meisterwerke der Satire (Teil 2)

Dezember 21, 2016 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Als Benito Wogatzki den Roman „Fleur“ schreibt, ist die DDR längst Geschichte und ihm damit sein Spielfeld verloren gegangen. Hatte er die DDR bei allen ihren Mängeln grundsätzlich als das bessere Deutschland verstanden, die er deshalb durch Ironie befördern wollte, sieht er sich jetzt einem System gegenüber, das er grundsätzlich ablehnt.

Mit Detailkritik kommt er in „Fleur“ deshalb nicht mehr weiter. Im Brennpunkt steht jetzt das gesamte System. So bleibt ihm nur, alles mit Sarkasmus zu überziehen und ins Absurde abgleiten zu lassen.

Fleur und Julius haben sich einst geliebt. So sehr geliebt, dass sie nicht zueinanderfinden konnten. Als Julius Fleur kennenlernt, wird ihm klar, „dass der Irrweg seines Lebens – zu Ende war.“ Und Fleur fühlt: „Sie war nicht mehr allein, sie hatte Julius.“ Ihm konnte sie alles erzählen. Und das heißt vor allem, über ihre trotz Julius weiterhin wechselnden Männerbekanntschaften.

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