Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

Subscribe

Artikel der Kategorie ‘Literatur und Gesellschaft’

Auf der Suche nach dem Politischen in der Literatur

Januar 31, 2017 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

»Brecht und wie weiter? Politisches in der Literatur heute« hieß eine Veranstaltung des ND-Literatursalons mit den Feuilletonredakteuren des Neuen Deutschland Irmtraud Gutschke und Christian Baron. Sich auf Brecht berufend, hatten die Veranstalter die Messlatte somit gleich sehr hoch gelegt. Brecht, das heißt, gleichermaßen hohe inhaltliche wie literarische, hohe weltanschauliche wie ästhetische Maßstäbe anzulegen.

Sein zum Eingang vorgetragenes Gedicht »An die Nachgeborenen« genauso wie der zum Beginn gelesene Auszug aus seinem Theaterstück »Die heilige Johanna der Schlachthöfe« verblüffen, wie Gutschke hervorhob, in der Tat bis heute durch ihre erstaunliche Aktualität.

Aber ist es wirklich das, was Brecht und seine Texte gegenüber vielen seiner Zeitgenossen auszeichnet? Was ihn als Ausgangspunkt für die Suche nach dem Politischen in der Literatur heute so geeignet erscheinen lässt? Gab es nicht auch andere Schriftsteller, die ähnliche Weitsicht und politische Klarheit bewiesen?

flattr this!

Der I. AllunionskongreĂź der Sowjetschriftsteller und das Postulat des sozialistischen Realismus (Teil 2)

August 31, 2014 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

Rund 600 Schriftsteller diskutierten im August 1934 in Moskau zwei Wochen lang ĂĽber die aktuelle Lage und zukĂĽnftige Entwicklung der Sowjetliteratur. ĂĽber die Bedeutung des I. AllunionskongreĂźes der Sowjetschriftsteller und sein Postulat des sozialistischen Realismus hat der Filmhistoriker und Medienwissenschaftler Detlef Kannapin in einem Beitrag fĂĽr die Tageszeitung Junge Welt beleuchtet.

Für die Genehmigung, großzügig aus dem „Wille zur Veränderung“ überschriebenen Artikel zitieren zu dürfen, möchte ich mich als Betreiber dieses Blogs noch einmal herzlich bei der Jungen Welt bedanken.

Wegen seiner Länge schien es geboten, den Blogbeitrag „Der I. Allunionskongreß der Sowjetschriftsteller und das Postulat des sozialistischen Realismus“ in zwei Teile aufzuteilen. Hier folgt jetzt Teil 2. Den ersten Teil finden Sie hier.

*

Von Kritikern der Sowjetunion wie dem Historiker Moshe Lewin wird häufig argumentiert, bei dem Schriftstellerkongreß habe es sich lediglich um ein „Zwischenspiel“ zwischen „zwei Terrorwellen“ gehandelt: der 1928 bis 1932 erzwungenen Kollektivierung sowie den 1937 und 1938 durchgeführten „Säuberungen“.

flattr this!

Der I. AllunionskongreĂź der Sowjetschriftsteller und das Postulat des sozialistischen Realismus (Teil 1)

August 22, 2014 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

Am 17. August 1934 begann in Moskau der I. AllunionskongreĂź der Sowjetschriftsteller. Rund 600 Schriftsteller diskutierten zwei Wochen lang ĂĽber die aktuelle Lage und zukĂĽnftige Entwicklung der Sowjetliteratur. Worum es auf dem Kongress und beim propagierten sozialistischen Realismus im Einzelnen ging, hat der Filmhistoriker und Medienwissenschaftler Detlef Kannapin in einem Beitrag fĂĽr die Tageszeitung Junge Welt ausfĂĽhrlich beleuchtet.

Für die Genehmigung, großzügig aus dem „Wille zur Veränderung“ überschriebenen Artikel zitieren zu dürfen, möchte ich mich als Betreiber dieses Blogs ausdrücklich herzlich bei der Jungen Welt bedanken.

*

Eingeleitet wird der Beitrag mit einem Zitat von Wieland Herzfelde, dem BegrĂĽnder des auf Avantgardekunst und kommunistische Literatur spezialisierten Malik-Verlages.

flattr this!

Erasmus Schöfers „Die Kinder des Sisyfos“ auf der Suche nach der Zukunft (Teil 2)

März 31, 2014 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher, Literatur und Gesellschaft 1 Kommentar →

Es waren nicht nur Viktors Schläge in Lenas Gesicht, die beider Ehe zu zerstören drohte. „Lass mir Zeit Vik“, hatte Lena gebeten. Was als „Ein Frühling irrer Hoffnung“, so zugleich der Titel des ersten Bandes von Erasmus Schöfers Romantetralogie „Die Kinder des Sisyfos“, begonnen hatte, war banger Ungewissheit über die Zukunft gewichen. Nur vage Hoffnungen sind geblieben.

Umso überraschender beginnt der „Zwielicht“ überschriebene zweite Band der Romantetralogie mit einer Idylle.

Eigentlich hat der Tag eine klare Botschaft: Sommer. Reifende Landschaften. Auf den Halmen im leichten Wind lebende Gedtreidefelder, fahlgelb, manchmal blaurot durchsetzt, Zentaurien und Papaveren, erinnerungsschwanger […] Flammrote Geranien, dunkelviolette Petunien, üppig hängend vor weißen Fensterkreuzen, schöne friedliche Vorhänge vor den Dunkelheiten dahinter.

Doch die Idylle ist keine, der Friede trĂĽgt. Viktor Bliss und Malina Stotz sind unterwegs nach Immenhausen zur GlashĂĽtte SĂĽĂźmuth, die von den Glasarbeitern ĂĽbernommen wurde und deren Zukunft alles andere als rosig aussieht.

flattr this!

Günter Grass’ „Was gesagt werden muss“ ist ein wichtiges Gedicht zur richtigen Zeit

April 09, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher, Literatur und Gesellschaft 1 Kommentar →

Selten hat in der jüngeren Vergangenheit ein Gedicht ähnlich hohe Wellen geschlagen wie Günter Grass’ „Was gesagt werden muss“. Die Welt wütet, Günter Grass sei „durchgeknallt“ und „nicht ganz dicht“. Für die FAZ ist sein Gedicht ein „Machwerk des Ressentiments“ und die angeblich so liberale Zeit rückt es gar in die Nähe von „NPD-Pamphleten“. Würdig in die Phalanx dieser Hetzer reiht sich die taz ein, für die sich Grass mit seinem Gedicht „zum Märtyreropfer von Juden stilisiert“.

Für Herta Müller hat Günter Grass schlichtweg keine Berechtigung, einen derartigen Text zu schreiben, denn „Wenn man einmal in der SS-Uniform gekämpft hat, dann ist man nicht mehr in der Lage, neutral zu urteilen“ – und sei man damals auch erst 17 Jahre gewesen. Die Berechtigung hat dagegen Herta Müller, die in ihrem Roman „Herztier“ die Verbrechen der SS – der ihr Vater angehörte – zu verharmlosen suchte, als sie verkündete, viel schlimmer als die SS habe später im sozialistischen Rumänien die Securitate gewütet. Wo die SS hinkam, habe sie Friedhöfe gemacht, Hauptmann Pjele dagegen „machte Friedhöfe sogar an Orten, die er nicht betrat.“ Natürlich weiß Herta Müller zudem, dass es sich bei Grass’ Gedicht in Wirklichkeit um gar „kein Gedicht“ handelt, denn da „steht kein einziger literarischer Satz drin“.

flattr this!

  • Kategorien

  • Archive