Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Artikel der Kategorie ‘Literatur und Gesellschaft’

Immer diese vielschreibenden und schwer verstÀndlichen Autoren

Mai 28, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft 1 Kommentar →

Überschriften mĂŒssen vor allem eines sein: Reißerisch. Dass dieses SelbstverstĂ€ndnis keineswegs nur fĂŒr die Boulevardpresse gilt, demonstrierte vor wenigen Tagen die Zeit, als sie im Feuilleton titelte: „Literaturkanon: Weg damit!“ Worum es in dem Beitrag tatsĂ€chlich ging, fasste die Redaktion im Artikelvorspann zusammen: „Gibt es Klassiker, die sich ĂŒberholt haben?“

13 junge deutsche Autoren unter 35 Jahren sollten den „Kanon der Literatur“ einer kritischen ÜberprĂŒfung unterziehen. Herausgekommen seien sehr konkrete VorschlĂ€ge zur „Entschlackung des literarischen Kanons“.

Den Auftakt macht der Lyriker Steffen Popp mit einer furiosen Generalabrechnung. Musils Verwirrungen des Zöglings Törleß, Döblins Berlin Alexanderplatz, Uwe Johnsons Jahrestage, Wolfs Kindheitsmuster, Grass‘ RĂ€ttin, Frieds Gedichte, Benns Lyrik, Hesses Gedichte: Alle diese Werke wĂŒrden â€žĂŒberschĂ€tzt“, seien „unertrĂ€glich“ oder zum Kotzen. Aussortieren möchte Popp auch Manns Gesellschaftsroman Die Buddenbrooks, den er durch Schernikaus Montageroman Legende ersetzen möchte. Nun ist gegen das schmale Werk des frĂŒh an AIDS gestorbenen Ronald M. Schernikau ĂŒberhaupt nichts einzuwenden, aber warum muss Popp es gegen Thomas Mann ausspielen?

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Der Fall Helene Hegemann: Eine Autorin demontiert sich selbst

Mai 11, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

Eines muss man Helene Hegemann lassen: Sie versteht es, mit vielen, oft kompliziert aufgebauten SĂ€tzen wenig zu sagen. Dabei ahnt man trotz allem, dass sie zu schreiben versteht. In der Zeit, die ihr großzĂŒgig Platz fĂŒr ein Pamphlet An meine Kritiker einrĂ€umte, hat sie die Chance allerdings ein weiteres Mal vertan.

Offenbar vermag Helene Hegemann noch immer nicht zu verstehen, worum es geht. Stattdessen sieht sie sich unverĂ€ndert als Opfer einer Kampagne. Nie habe sie verheimlicht, abgeschrieben zu haben, behauptet sie – und will uns unverdrossen einreden, dass Abschreiben eine seit Jahrhunderten ĂŒbliche (und gesellschaftlich gebilligte) Praxis in der Literatur sei. Vorgeworfen hĂ€tten die Kritiker ihr das nur, um sie nicht ernst nehmen zu mĂŒssen und sie beleidigen zu können.

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Der Fall Helene Hegemann: Ein Armutszeugnis fĂŒr die Literaturkritik

Februar 09, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft 2 Kommentare →

In einem sind sich die Kritiker weitgehend einig: Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ ist brutal, vulgĂ€r, zynisch. Und einig sind sie sich auch weitgehend, dass ihr Roman phantastisch, genial und schön sei. Bloß ob er nun „gerade deswegen schön“ ist, wie Mara Delius in der FAZ [*] verkĂŒndet, oder nicht eher obwohl, da differieren die Meinungen noch.

Ob FAZ, Zeit, Tagesspiegel, Welt, Spiegel, TAZ, Neue ZĂŒrcher Zeitung oder Frankfurter Rundschau: Was Rang und Namen in der Welt der sich selbst gerne seriös nennenden Presse hat, feiert mit wenigen Ausnahmen die Autorin als „Wunderkind der Berliner Kreativszene“ (Cosima Lutz in der Welt), die „souverĂ€n in die Fresse gefeuert“ habe (wem und was lĂ€sst Nina Apin in der TAZ offen) und an dem sich „dieses Jahr wohl alle deutschsprachigen RomandebĂŒts messen lassen mĂŒssen“ (Nadine Lange im Tagesspiegel).

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Wenn „fachliche Sicht“ mit der Verfassung kollidiert 


September 25, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

Es ist schon erstaunlich: In einem Bundesministerium wird ein Papier erstellt, in dem ganz unverhohlen ein Bruch des Grundgesetzes propagiert wird, doch der eigentlich zu erwartende Sturm der EntrĂŒstung in den Medien bleibt aus. Stattdessen wird von „HeckenschĂŒtzen“ geschwafelt, von „Wahlkampf“ gefaselt und alles als unverbindliche „Überlegungen“ einiger Referatsleiter herunterzuspielen versucht.

Oder ist es vielleicht doch nicht ganz so erstaunlich, wie es im ersten Moment scheinen mag?

So völlig neu sind die Ideen aus dem „Vorbereitung Koalitionspapier“ ĂŒberschriebenen Katalog nicht. Lauschangriffe in Wohnungen wurden bereits 1998 legalisiert, aber bisher Polizei und Staatsanwaltschaft vorbehalten. Die PlĂ€ne fĂŒr einen SpĂ€hangriff haben die Parteistrategen von CDU/CSU und SPD nach der Kritik des Bundesverfassungsgerichts am Großen Lauschangriff nur aufgeschoben, aber nicht aufgegeben. Ebenfalls gebastelt wird von ihnen seit lĂ€ngerem an einer gesetzlichen Grundlage fĂŒr Online-Durchsuchungen. Die Vorratsdatenspeicherung ist lĂ€ngst Gesetz; auf die Daten zugreifen können bislang aber nur Polizei und Staatsanwaltschaft.

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