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Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Artikel der Kategorie ‘Philosophie’

Immanuel Kant und sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (Teil 9)

August 31, 2013 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher, Philosophie Noch keine Kommentare →

Trotz ihres Scheiterns hat die Französische Revolution Europa nachhaltig verĂ€ndert und sind ihre Ideen lebendig geblieben. „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen“, will Johann Wolfgang von Goethe angesichts der Kanonade von Valmy gesagt haben, wie er in seiner autobiographischen Notiz „Campagne in Frankreich 1792“ schreibt. Ob er zu diesem Zeitpunkt tatsĂ€chlich bereits so weitblickend war, dĂŒrfte nicht mehr zu klĂ€ren sein, aber tatsĂ€chlich war die Welt durch den Sieg des französischen Revolutionsheeres eine andere geworden.

Auch wenn der Frieden als Verfassungsauftrag keine zwei Jahre Bestand hatte, wurde das gesamte 19. Jahrhundert hindurch doch immer wieder ĂŒber die Idee des Friedens diskutiert. In die offizielle Politik fand diese Idee jedoch vorerst keinen Eingang mehr.

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Immanuel Kant und sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (Teil 8)

Mai 31, 2013 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher, Philosophie Noch keine Kommentare →

Auch wenn die Idee des ewigen Friedens gerne Immanuel Kant zugeschrieben wird, ist sie tatsĂ€chlich doch sehr viel Ă€lter. Genauer gesagt: bald 1400 Jahre Ă€lter. Allerdings verstanden Kants VorgĂ€nger den ewigen Frieden als politisches oder theologisches Projekt und nicht als philosophisch-politische Herausforderung. Als philosophisches Objekt hat tatsĂ€chlich erst Kant den ewigen Frieden eingefĂŒhrt.

Das erste Mal schriftlich bekundet wird der Begriff in Augustinus von Hippos 426 vollendeten Schrift „De civitate Dei“. Dem unfriedlichen Leben der Menschen auf der Erde setzte der Kirchenlehrer und Philosoph den „Gottesstaat“ entgegen, der „ewigen und tiefsten Frieden“ bringen sollte. Erst der „himmlische Frieden“ sei „in Wahrheit in einem Sinne Friede [
], daß er allein als der Friede wenigstens fĂŒr das vernunftbegabte Geschöpf gelten und bezeichnet werden muß“. Nur dieser verheißt nach Augustinus von Hippo die „GlĂŒckseligkeit ewigen Friedens, worin die Heiligen ihr Endziel, d.i. die wahre Vollendung“ sehen. Ein ewiger Frieden auf der Erde war somit ausgeschlossen.

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Immanuel Kant und sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (Teil 7)

April 30, 2013 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher, Philosophie Noch keine Kommentare →

Sprach Immanuel Kant den Menschen einerseits jegliches Widerstandsrecht gegen die Obrigkeit ab, verweigerte er andererseits auch einer gestĂŒrzten Obrigkeit jedes Recht auf eine ZurĂŒckerlangung der alten Macht. Im ersten Moment mag das als Widerspruch erscheinen, vor dem Hintergrund der Kant‘schen Philosophie ist jedoch gar keine andere Position denkbar.

In seinem philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ resĂŒmierte Kant entsprechend: „Wenn auch durch den UngestĂŒm einer von der schlechten Verfassung erzeugten Revolution unrechtmĂ€ĂŸigerweise eine gesetzmĂ€ĂŸigere errungen wĂ€re, so wĂŒrde es doch auch alsdann nicht mehr fĂŒr erlaubt gehalten werden mĂŒssen, das Volk wieder auf die alte zurĂŒck zu fĂŒhren, obgleich wĂ€hrend derselben jeder, der sich damit gewaltthĂ€tig oder arglistig bemengt, mit Recht den Strafen des AufrĂŒhrers unterworfen seyn wĂŒrde“.

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Immanuel Kant und sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (Teil 6)

MĂ€rz 28, 2013 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher, Philosophie Noch keine Kommentare →

Zu lebhaften Diskussionen hat immer wieder Immanuel Kants entschiedene Ablehnung eines Widerstandsrecht gefĂŒhrt. Ergiebiger als sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ ist in dieser Hinsicht allerdings seine Schrift „Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht fĂŒr die Praxis“. An Deutlichkeit lassen es allerdings beide Schriften nicht missen.

In „Zum ewigen Frieden“ handelt er das Thema Widerstandsrecht nur sehr kurz ab. Jeder, der sich „gewaltthĂ€tig oder arglistig“ gegen die Machthabenden auflehne, werde „mit Recht den Strafen des AufrĂŒhrers unterworfen“, heißt es dort kurz und bĂŒndig. Selbst das Ansinnen, „jeden Aufruhr mit dem Tode der RĂ€delsfĂŒhrer [zu] bestrafen“, soll legitim sein.

In „Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht fĂŒr die Praxis“ legt er seine Überlegungen sehr viel ausfĂŒhrlicher dar. Danach ist „alle Widersetzlichkeit gegen die oberste gesetzgebende Macht, alle Aufwiegelung, um Unzufriedenheit der Untertanen tĂ€tlich werden zu lassen, aller Aufstand, der in Rebellion ausbricht“, unzulĂ€ssig, weil es sich bei ihnen um „das höchste und strafbarste Verbrechen im gemeinen Wesen“ handeln soll.

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Immanuel Kant und sein philosophischer Entwurf „Zum ewigen Frieden“ (Teil 5)

Dezember 27, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher, Philosophie Noch keine Kommentare →

Aus der Erkenntnis, dass der ewige Frieden die von der Vernunft geforderte Ordnung ist, leitete Immanuel Kant allerdings nicht ab, dass der Krieg keine Naturnotwendigkeit darstellen könne. Im Gegenteil resĂŒmierte er in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“: „Der Friedenszustand unter Menschen, die neben einander leben, ist kein Naturstand [
], der vielmehr ein Zustand des Krieges ist, d.i. wenn gleich nicht immer ein Ausbruch der Feindseligkeiten, doch immerwĂ€hrende Bedrohung mit denselben.“

Damit unterscheidet Kant sich grundlegend von Jean-Jacques Rousseau, fĂŒr den der Naturzustand ein Friedenszustand ist. Diesem Entweder-oder eines Kant und Rousseau setzte Karl Marx kein Jahrhundert spĂ€ter ein entschiedenes Sowohl-als-auch entgegen, wenn er in den „Thesen ĂŒber Feuerbach“ konstatierte, dass „das menschliche Wesen [
] kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum“ sei, sondern „[i]n seiner Wirklichkeit [
] das ensemble der gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse“.

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