Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Als afrodeutsche Autorin ist May Ayim auch heute noch vielen Deutschen verhasst

Juni 30, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 3 Kommentare →

Das literarische Werk von May Ayim ist nicht sehr umfangreich: Die Gedichtsbände „blues in schwarz weiß“ und „Nachtgesang“, der Essay- und Gedichtsband „Grenzenlos und unverschämt“, einige Gedichte in dem Sammelband „Farbe bekennen“ sowie in verschiedenen Zeitschriften. Das war es bereits.

Mir begegnete die Autorin zum ersten Mal in diesem Frühjahr. Eine Notiz in der Tageszeitung Junge Welt war der Auslöser. An nur einem Abend las ich „blues in schwarz weiß“ aus.

„ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht passt“

schleuderte May Ayim in ihrem „grenzenlos und unverschämt“ überschriebenen „gedicht gegen die deutsche sch-einheit“ allen entgegen, die sie offen oder versteckt auszugrenzen versuchten. Und von diesen gab es viele. 1960 als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen geboren, bekam sie als Afrodeutsche die Intoleranz ihrer Mitmenschen früh zu spüren. Dass sie ihren amtlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz gegen den Künstlernamen May Ayim tauschte, machte sie ihnen noch verhasster.

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Der Fall Helene Hegemann: Eine Autorin demontiert sich selbst

Mai 11, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft Noch keine Kommentare →

Eines muss man Helene Hegemann lassen: Sie versteht es, mit vielen, oft kompliziert aufgebauten Sätzen wenig zu sagen. Dabei ahnt man trotz allem, dass sie zu schreiben versteht. In der Zeit, die ihr großzügig Platz für ein Pamphlet An meine Kritiker einräumte, hat sie die Chance allerdings ein weiteres Mal vertan.

Offenbar vermag Helene Hegemann noch immer nicht zu verstehen, worum es geht. Stattdessen sieht sie sich unverändert als Opfer einer Kampagne. Nie habe sie verheimlicht, abgeschrieben zu haben, behauptet sie – und will uns unverdrossen einreden, dass Abschreiben eine seit Jahrhunderten übliche (und gesellschaftlich gebilligte) Praxis in der Literatur sei. Vorgeworfen hätten die Kritiker ihr das nur, um sie nicht ernst nehmen zu müssen und sie beleidigen zu können.

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Der Fall Helene Hegemann: Ein Armutszeugnis fĂĽr die Literaturkritik

Februar 09, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Literatur und Gesellschaft 2 Kommentare →

In einem sind sich die Kritiker weitgehend einig: Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ ist brutal, vulgär, zynisch. Und einig sind sie sich auch weitgehend, dass ihr Roman phantastisch, genial und schön sei. Bloß ob er nun „gerade deswegen schön“ ist, wie Mara Delius in der FAZ [*] verkündet, oder nicht eher obwohl, da differieren die Meinungen noch.

Ob FAZ, Zeit, Tagesspiegel, Welt, Spiegel, TAZ, Neue Zürcher Zeitung oder Frankfurter Rundschau: Was Rang und Namen in der Welt der sich selbst gerne seriös nennenden Presse hat, feiert mit wenigen Ausnahmen die Autorin als „Wunderkind der Berliner Kreativszene“ (Cosima Lutz in der Welt), die „souverän in die Fresse gefeuert“ habe (wem und was lässt Nina Apin in der TAZ offen) und an dem sich „dieses Jahr wohl alle deutschsprachigen Romandebüts messen lassen müssen“ (Nadine Lange im Tagesspiegel).

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