Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Als Nationalist predigte Heinrich von Kleist in seiner Dichtung Hass statt Verständigung

November 24, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Kein Wort zu Heinrich von Kleist. Das hatte ich mir Anfang dieses Jahres vorgenommen. Doch dann stieß ich gestern Abend durch Zufall auf eine Schlagzeile in der Jüdischen Allgemeinen. „Franzosenfresser ja, Antisemit nein“, prangte als Überschrift über einem Artikel, der, bereits Anfang März veröffentlicht, mir bislang entgangen war.

Wes Geistes Kind war Kleist, dessen 200. Todestag das gesamte Jahr 2011 über gefeiert wurde wie in der jüngeren Vergangenheit kaum ein anderer deutscher Schriftsteller? Wie bescheiden fiel dagegen 2003 das Erinnern an Johann Gottfried von Herder anlässlich seines 200. Todestags aus, 2006 das Gedenken an Heinrich Heine zu seinem 150. Todestag oder 2010 das Erinnern an den 200. Geburtstag von Ferdinand Freiligrath. Selbst Johann Wolfgang von Goethe 2007 und Friedrich von Schiller 2009 konnten nur schwer mit Kleist mithalten.

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Johann Christian Günther – Ein Barockdichter überragt seine Zeit (Teil 3)

November 08, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

1722 zog Johann Christian Günther nach Jena, um dort sein Medizinstudium wiederaufzunehmen und zum Abschluss zu bringen. Ohne Studienabschluss, hatte der Vater von Johanna Barbara Littmann entschieden, werde es keine Heirat geben. Fast noch schwerer zu erfüllen war die zweite Bedingung: Günther sollte sich mit seinem Vater versöhnen.

Tatsächlich war aber an eine Wiederaufnahme des Studiums nicht mehr zu denken. Als Günther im Dezember 1722 Jena erreichte, war er bereits ein schwerkranker Mann. Auch die Pflege durch Freunde half nichts mehr. Durch die Not der vergangenen Jahre schon gesundheitlich angeschlagen, schritt sein Verfall schnell voran.

Günther glaubte selbst nicht mehr an seine Genesung, auch wenn die Überschrift „An die Liebe“ im ersten Moment anderes erwarten lässt.

Ich habe zeitig ausgedient,
Mein Frühling ist in Angst vergrünt
Und als ein Strom dahingefahren.
Mein Auge, deßen feurig Spiel
Den Schönen in das Auge fiel,
Hat manchen Siegeskranz empfangen;
Dies Auge sieht jezt läßig zu
Und winckt mit thränendem Verlangen
Der in der Welt versagten Ruh.

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Johann Christian Günther – Ein Barockdichter überragt seine Zeit (Teil 2)

November 02, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Die Audienz am Hofe von König August dem Starken endete für Johann Christian Günther mit einem Desaster. Nicht er, sondern Johann Ulrich von König erhielt den gut dotierten und vor allem hoch angesehenen Posten des Hofpoeten. Nicht minder schlimm waren die schnell aufkommenden Gerüchte, Günther sei betrunken zur Audienz erschienen.

Ob Günther tatsächlich betrunken war oder was tatsächlich an jenem Tag geschah, ist unbekannt. Bekannt ist aber, dass Günther bereits seit seiner Wittenberger Zeit viele Widersacher besaß, die alles daransetzen, ihm zu schaden. Mit seinem lockeren Studentenliedern machte er ihnen das allerdings auch nicht gerade schwer.

Auch wenn diese Lieder genauso wie viele seiner anderen Gedichte nicht wörtlich genommen werden dürfen, seinen Kritikern boten sie ausreichend Stoff für Verdächtigungen und Vorwürfe, er führe ein liederliches und ausschweifendes Leben. So heißt es in einem dieser Lieder:

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Johann Christian Günther – Ein Barockdichter überragt seine Zeit (Teil 1)

Oktober 31, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher 1 Kommentar →

Goethe hat ihn als ein „entschiedenes Talent, begabt mit Sinnlichkeit, Einbildungskraft, Gedächtniß, Gabe des Fassens und Vergegenwärtigens, fruchtbar im höchsten Grade, rhythmisch-bequem, geistreich, witzig“ gepriesen. Doch auch diese Lobesworte konnten nicht verhindern, daß heute nur noch den Wenigsten der Name Johann Christian Günther etwas sagt.

Auch mir war dieser Name unbekannt, bis ich ihm vor wenigen Wochen zum ersten Mal begegnete – in Goethes „Dichtung und Wahrheit“, aus dem auch das obige Zitat stammt. Günther wurde 1695 im schlesischen Striegau (heute Strzegom) geboren und starb, gerade einmal 28jährig, schon 1723 in Jena.

Bereits als Schüler an der evangelischen Gnadenschule in Schweidnitz (heute Świdnica) begann er zu dichten. Zu seinen ersten Gedichten gehörte das Trauergedicht „Als er sich über ihren Tod beklagte“, in dem er den Verlust seiner ersten großen Liebe, Flavia, beweinte, die 1714 im Alter von 15 Jahren tödlich verunglückte.

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Oskar Panizza und „Das Liebeskonzil“ – Gotteslästerung oder Freiheit der Kunst? (Teil 2)

April 02, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und Bücher Noch keine Kommentare →

Gott Vater als seiner Schöpferkraft beraubter Greis, Maria mit ihrem Hochmut, Christus in seiner Leidensrolle und alle drei Im schändlichen Pakt mit dem Teufel, der Papst als Stellvertreter Gottes ein liederliches Leben führend – das konnte der Obrigkeit nicht gefallen. Für sie war Oskar Panizzas „Das Liebeskonzil“ deshalb ein Skandal, den sie nicht durchgehen lassen durfte.

Obwohl Panizza nicht zum ersten Mal bei der Obrigkeit aneckte, wurde er von der Wucht der Reaktion auf „Das Liebeskonzil“ doch überrascht. Seine erste Erfahrung hatte er 1891 gemacht, als er sich weigerte, aus der Gesellschaft für modernes Leben auszutreten, und deshalb unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Die Gesellschaft für modernes Leben, so der Vorwurf, propagiere eine Kunst mit realistischen Tendenzen und drohe deshalb „mit der weltlichen und kirchlichen Macht in Conflict zu gerathen“.

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