Als Nationalist predigte Heinrich von Kleist in seiner Dichtung Hass statt Verständigung
Kein Wort zu Heinrich von Kleist. Das hatte ich mir Anfang dieses Jahres vorgenommen. Doch dann stieß ich gestern Abend durch Zufall auf eine Schlagzeile in der Jüdischen Allgemeinen. „Franzosenfresser ja, Antisemit nein“, prangte als Überschrift über einem Artikel, der, bereits Anfang März veröffentlicht, mir bislang entgangen war.
Wes Geistes Kind war Kleist, dessen 200. Todestag das gesamte Jahr 2011 über gefeiert wurde wie in der jüngeren Vergangenheit kaum ein anderer deutscher Schriftsteller? Wie bescheiden fiel dagegen 2003 das Erinnern an Johann Gottfried von Herder anlässlich seines 200. Todestags aus, 2006 das Gedenken an Heinrich Heine zu seinem 150. Todestag oder 2010 das Erinnern an den 200. Geburtstag von Ferdinand Freiligrath. Selbst Johann Wolfgang von Goethe 2007 und Friedrich von Schiller 2009 konnten nur schwer mit Kleist mithalten.
