Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Oskar Panizza und „Das Liebeskonzil“ – Gotteslästerung oder Freiheit der Kunst? (Teil 2)

April 02, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Gott Vater als seiner Schöpferkraft beraubter Greis, Maria mit ihrem Hochmut, Christus in seiner Leidensrolle und alle drei Im schändlichen Pakt mit dem Teufel, der Papst als Stellvertreter Gottes ein liederliches Leben führend – das konnte der Obrigkeit nicht gefallen. Für sie war Oskar Panizzas „Das Liebeskonzil“ deshalb ein Skandal, den sie nicht durchgehen lassen durfte.

Obwohl Panizza nicht zum ersten Mal bei der Obrigkeit aneckte, wurde er von der Wucht der Reaktion auf „Das Liebeskonzil“ doch überrascht. Seine erste Erfahrung hatte er 1891 gemacht, als er sich weigerte, aus der Gesellschaft für modernes Leben auszutreten, und deshalb unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Die Gesellschaft für modernes Leben, so der Vorwurf, propagiere eine Kunst mit realistischen Tendenzen und drohe deshalb „mit der weltlichen und kirchlichen Macht in Conflict zu gerathen“.

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Oskar Panizza und „Das Liebeskonzil“ – Gotteslästerung oder Freiheit der Kunst? (Teil 1)

März 30, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Spontan musste ich an den Streit über die Mohammed-Karikaturen denken, als ich dieser Tage auf den Namen Oskar Panizza stieß. Mit seinen die Kirche und die bürgerlichen Moralvorstellungen attackierenden Erzählungen und Schriften geriet der 1853 geborene Schriftsteller schon früh ins Visier der Staatsgewalt. Sein Hauptwerk, die Komödie „Das Liebeskonzil“, beschäftigte 130 Jahre später sogar noch den Europäischen Gerichtshof.

Thema des Liebekonzils ist die Syphilis, die sich Ende des 15. Jahrhunderts als Seuche über weite Teile Europas ausbreitete. Es war die Zeit von Papst Alexander VI., einem der reichsten Männer Italiens und für sein zügelloses Leben berüchtigten Papst. Dass er tatsächlich mit seiner Tochter geschlafen hat, ist allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Nachgewiesen sind aber seine zahlreichen Liebschaften, aus denen auch mehrere Kinder hervorgingen.

Im Mittelpunkt der „Himmelstragödie in fünf Aufzügen“, wie Panizza sein Liebeskonzil bezeichnete, stehen dieser Papst, Gott Vater, Maria, Christus und der Teufel.

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Pelle Igel – Dichter und Theatermann des Widerstands (Teil 2)

Dezember 04, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Mit der Befreiung vom Faschismus hat zwar das millionenfache Morden und Foltern aufgehört, aber an den Herrschaftsverhältnissen, die sie ermöglichten, ändert sich in den Westzonen wenig – zu wenig, wie Pelle Igel meint. Seine Themen bleiben deshalb die alten. Neu hinzu kommt bald die Warnung vor der Remilitarisierung der Bundesrepublik und der Durchdringung des neues Staates durch alte Nazis.

In seinem Gedicht „An den Frieden denken sie nicht …“ warnt er:

„Sie sprechen von Pflicht
und sie faseln von Ehre.
Den Frieden meinen sie nicht,
sie meinen Gewehre.“

In einem anderen Gedicht erinnert er an die schlimmen Folgen des zweiten Weltkrieges:

„[…] betrachtet Hitlers Spur:
sie endete bei Stalingrad,
der SchluĂź war in Berlin,
im Lager hinter Stacheldraht
war dann der Endtermin.“

In „Herr General, Sie kommen allein?“ wendet er sich mit der Frage an einen anonymen General:

„Wo mögen denn Ihre Soldaten sein?
Es war doch eine Division“.

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Pelle Igel – Dichter und Theatermann des Widerstands (Teil 1)

November 30, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Manchmal endet ein etwas zielloses Suchen im Bücherschrank mit einem Glücksgriff. Eigentlich dachte ich am Wochenende an ein ganz anderes Buch, als mir ein schmales Bändchen in die Hand fiel: „Stiefel bleibt Stiefel. Zeitsatire in Vers und Prosa“ von Pelle Igel.

Der silberfarbene Einband mit schwarzer Schrift und stilisiertem schwarzen Kommissstiefel könnte bei oberflächlicher Betrachtung eine Sammlung expressionistischer Texten erwarten lassen. Doch Pelle Igel war alles andere als ein expressionistischer Dichter. Er selbst bezeichnete sich als „lebenslangen Agitpropmann“. Dementsprechend direkt und unverblümt war seine Sprache. Ausgefeilte Formulierungen und ästhetische Finessen waren nicht seine Sache.

„Es gibt genügend Sonnenblumen, von van Gogh gemalte Sonnenblumen auf dieser Welt, aber gibt es genügend Friedensaufrufe in Holz oder Linol geschnitten?“, lässt er den Protagonisten in seiner Kurzgeschichte „Die Sonnenblume“ resümieren.

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Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 2)

August 23, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Erich Mühsam macht es einem nicht leicht. Die Wiederentdeckung in den siebziger und achtziger Jahren galt vor allem seinen politischen Schriften. Anarchist, Aufrührer, Rebell, Weltverbesserer, Kommunist, Bohemien, Bürgerschreck: Das waren die richtigen Zutaten, um ihm die Aufmerksamkeit bei Lesern wie Buchhandel zu sichern – und auch bei mir. Als Lyriker empfanden Erich Mühsam jedoch wohl die wenigsten.

Die kämpferische, oft auch drastische Sprache galt – und gilt – vielen als „unlyrisch“.

„Wir töten, wie man uns befahl,
mit Blei und Dynamit,
fĂĽr Vaterland und Kapital,
fĂĽr Kaiser und Profit.
Doch wenn erfĂĽllt die Tage sind,
dann stehn wir auf fĂĽr Weib und Kind
und kämpfen, bis durch Dunst und Qual
die lichte Sonne sieht.“

Geschrieben im Jambus mit männlicher Kadenz, wirken seine Zeilen zwar eindringlich-beschwörend, doch nicht Bilder, sondern politische Schlagworte prägen die Verse. Lyrisch-zart und voller wunderbarer Bilder kommen selbst seine Liebesgedichte nicht daher.

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