Oskar Panizza und „Das Liebeskonzil“ – Gotteslästerung oder Freiheit der Kunst? (Teil 2)
Gott Vater als seiner Schöpferkraft beraubter Greis, Maria mit ihrem Hochmut, Christus in seiner Leidensrolle und alle drei Im schändlichen Pakt mit dem Teufel, der Papst als Stellvertreter Gottes ein liederliches Leben führend – das konnte der Obrigkeit nicht gefallen. Für sie war Oskar Panizzas „Das Liebeskonzil“ deshalb ein Skandal, den sie nicht durchgehen lassen durfte.
Obwohl Panizza nicht zum ersten Mal bei der Obrigkeit aneckte, wurde er von der Wucht der Reaktion auf „Das Liebeskonzil“ doch überrascht. Seine erste Erfahrung hatte er 1891 gemacht, als er sich weigerte, aus der Gesellschaft für modernes Leben auszutreten, und deshalb unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde. Die Gesellschaft für modernes Leben, so der Vorwurf, propagiere eine Kunst mit realistischen Tendenzen und drohe deshalb „mit der weltlichen und kirchlichen Macht in Conflict zu gerathen“.

