Immer diese vielschreibenden und schwer verstÀndlichen Autoren
Ăberschriften mĂŒssen vor allem eines sein: ReiĂerisch. Dass dieses SelbstverstĂ€ndnis keineswegs nur fĂŒr die Boulevardpresse gilt, demonstrierte vor wenigen Tagen die Zeit, als sie im Feuilleton titelte: âLiteraturkanon: Weg damit!â Worum es in dem Beitrag tatsĂ€chlich ging, fasste die Redaktion im Artikelvorspann zusammen: âGibt es Klassiker, die sich ĂŒberholt haben?â
13 junge deutsche Autoren unter 35 Jahren sollten den âKanon der Literaturâ einer kritischen ĂberprĂŒfung unterziehen. Herausgekommen seien sehr konkrete VorschlĂ€ge zur âEntschlackung des literarischen Kanonsâ.
Den Auftakt macht der Lyriker Steffen Popp mit einer furiosen Generalabrechnung. Musils Verwirrungen des Zöglings TörleĂ, Döblins Berlin Alexanderplatz, Uwe Johnsons Jahrestage, Wolfs Kindheitsmuster, Grassâ RĂ€ttin, Frieds Gedichte, Benns Lyrik, Hesses Gedichte: Alle diese Werke wĂŒrden âĂŒberschĂ€tztâ, seien âunertrĂ€glichâ oder zum Kotzen. Aussortieren möchte Popp auch Manns Gesellschaftsroman Die Buddenbrooks, den er durch Schernikaus Montageroman Legende ersetzen möchte. Nun ist gegen das schmale Werk des frĂŒh an AIDS gestorbenen Ronald M. Schernikau ĂŒberhaupt nichts einzuwenden, aber warum muss Popp es gegen Thomas Mann ausspielen?
