Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Friedo Lampe: Radikales Brechen mit traditionellen Erzählformen (Teil 2)

Januar 19, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Mal folgt Friedo Lampe den handelnden Personen von einem Ort an den anderen, dann wieder lässt er sie in die Dunkelheit verschwinden und die nächsten die Spielfläche betreten. So wie er in „Am Rande der Nacht“ auf einen durchgehenden Handlungsstrang verzichtet, kennt er auch keine Hauptpersonen. Es gibt weder Helden noch Gegenspieler. Genau das, was jedes „gute“ Lehrbuch für angehende Schriftsteller als unumstößliche Wahrheit deklariert, ignoriert Friedo Lampe. Die Rolle des Helden übernimmt bei ihm – wenn man es so will – die Nacht, das Dunkle.

Seine Menschen sind Spielbälle höherer Mächte. Alles Geschehen kommt aus dem Dunkeln, das undurchschaubar, undurchdringlich ist, angsterregend, verwirrend, aber auch verlockend und berauschend. Die Nacht ist sowohl die Zeit der Ratten als auch des Glamours, der Einsamkeit wie der Vergnügungen. Nur eines bringt die Nacht so wenig wie der Tag: Gemeinsamkeit.

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Friedo Lampe: Radikales Brechen mit traditionellen Erzählformen (Teil 1)

Januar 12, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Ein Zufall – oder genauer gesagt ein Besuch bei F. in G. – verhalf mir zur Bekanntschaft mit einem Autor, der lesenswert, aber doch weitgehend vergessen ist. Als Friedo Lampe am 2. Mai 1945 in Kleinmachnow bei Berlin von einer sowjetischen Militärpatrouille als vermeintlicher SS-Angehöriger erschossen wurde, lag es nicht nur an den Kriegswirren, dass niemand diesen Verlust bemerkte. Friedo Lampes schmales Werk – zwei Romane sowie zwei Dutzend Novellen, Erzählungen und Balladen – hatte nur wenige Anhänger gefunden.

Vielleicht wäre seinen Büchern in friedlicheren Zeiten mehr Erfolg beschieden gewesen. Doch sein Debütroman „Am Rande der Nacht“ erschien erst im November 1933 und damit wenige Monate nach der Machtübergabe an die Nazis. Nur vier Wochen später wurde es von ihnen bereits auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt und damit faktisch verboten. Seine düsteren Schilderungen des gesellschaftlichen Verfalls und die Darstellung homosexueller Beziehungen mochten die Nazis nicht tolerieren. Beides passte nicht in ihr Bild von der arischen Rasse.

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