Johann Christian Günther – Ein Barockdichter überragt seine Zeit (Teil 3)
1722 zog Johann Christian Günther nach Jena, um dort sein Medizinstudium wiederaufzunehmen und zum Abschluss zu bringen. Ohne Studienabschluss, hatte der Vater von Johanna Barbara Littmann entschieden, werde es keine Heirat geben. Fast noch schwerer zu erfüllen war die zweite Bedingung: Günther sollte sich mit seinem Vater versöhnen.
Tatsächlich war aber an eine Wiederaufnahme des Studiums nicht mehr zu denken. Als Günther im Dezember 1722 Jena erreichte, war er bereits ein schwerkranker Mann. Auch die Pflege durch Freunde half nichts mehr. Durch die Not der vergangenen Jahre schon gesundheitlich angeschlagen, schritt sein Verfall schnell voran.
Günther glaubte selbst nicht mehr an seine Genesung, auch wenn die Überschrift „An die Liebe“ im ersten Moment anderes erwarten lässt.
Ich habe zeitig ausgedient,
Mein Frühling ist in Angst vergrünt
Und als ein Strom dahingefahren.
Mein Auge, deßen feurig Spiel
Den Schönen in das Auge fiel,
Hat manchen Siegeskranz empfangen;
Dies Auge sieht jezt läßig zu
Und winckt mit thränendem Verlangen
Der in der Welt versagten Ruh.
