Friedo Lampe: Radikales Brechen mit traditionellen Erzählformen (Teil 2)
Mal folgt Friedo Lampe den handelnden Personen von einem Ort an den anderen, dann wieder lässt er sie in die Dunkelheit verschwinden und die nächsten die Spielfläche betreten. So wie er in „Am Rande der Nacht“ auf einen durchgehenden Handlungsstrang verzichtet, kennt er auch keine Hauptpersonen. Es gibt weder Helden noch Gegenspieler. Genau das, was jedes „gute“ Lehrbuch für angehende Schriftsteller als unumstößliche Wahrheit deklariert, ignoriert Friedo Lampe. Die Rolle des Helden übernimmt bei ihm – wenn man es so will – die Nacht, das Dunkle.
Seine Menschen sind Spielbälle höherer Mächte. Alles Geschehen kommt aus dem Dunkeln, das undurchschaubar, undurchdringlich ist, angsterregend, verwirrend, aber auch verlockend und berauschend. Die Nacht ist sowohl die Zeit der Ratten als auch des Glamours, der Einsamkeit wie der Vergnügungen. Nur eines bringt die Nacht so wenig wie der Tag: Gemeinsamkeit.
