Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 3)

Dezember 01, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

Lange habe ich gebraucht, bis ich mich mit der Sprache Fontanes in „Irrungen, Wirrungen“ anfreunden konnte. Erst langsam musste ich mich an seinen episch breiten Schreibstil gewöhnen, seine nahezu unerschöpfliche Freude am Detail. Doch je mehr ich mich auf seine Sprache eingelassen habe, desto mehr erschloss sich mir ihre Schönheit.

In wenigen, oft aber sehr langen SĂ€tzen, lĂ€sst Fontane Landschaften und Situationen vor dem Auge des Lesers lebendig werden. Gleich der erste Satz von „Irrungen, Wirrungen“ hat es bereits in sich: „An dem Schnittpunkte von KurfĂŒrstendamm und KurfĂŒrstenstraße, schrĂ€g gegenĂŒber dem ‚Zoologischen‘, befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwĂ€rts sich erstreckende GĂ€rtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem VorgĂ€rtchen um etwa hundert Schritte zurĂŒck gelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und ZurĂŒckgezogenheit, von der vorĂŒbergehenden Straße her sehr wohl erkannt werden konnte.“ Genau 54 Wörter zĂ€hlt dieser Einleitungssatz.

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 2)

November 18, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

UrsprĂŒnglich sollte sich Teil 2 mit Fontanes Sprache in „Irrungen, Wirrungen“ beschĂ€ftigen. Die Frage eines Lesers, warum ich so wenig zu Gideon geschrieben habe, obwohl er in einem gewissen Sinne als Gegenspieler zu Botho verstanden werden mĂŒsse, möchte ich jedoch nutzen, noch einmal auf Botho und Gideon zurĂŒckzukommen.

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: WĂ€hrend Botho sich nach außen weltoffen und modern zeigt, scheint Gideon im ersten Moment das genaue Gegenteil zu sein. Von seiner Erscheinung und seinem Auftreten her entspricht Gideon ganz dem Klischee eines Beamten. Auf die Spitze getrieben wird dieser Eindruck auf der Hochzeit mit Lene, auf der er sich als „ein hagerer Herr mit hohem Hut und spitzen Vatermördern“ zeigt, ĂŒber den die Zuschauer spötteln: „[
] un sah eigentlich aus, als ob er seine silberne gleich mitfeiern wollte.“ Ja, es wird sogar getuschelt: „So was lebt nich.“ DafĂŒr, dass Lene den steifen, wesentlich Ă€lteren „Herrn“ heirate, gibt es deshalb nur einen Grund: „Kranz 
? Kranz 
? Wissen Sie denn nicht 
? Haben Sie denn nichts munkeln hören?“

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 1)

Oktober 31, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher 1 Kommentar →

Meine Schulzeit liegt nun schon bald vierzig Jahre zurĂŒck und manche Erinnerung ist verblasst. An den Deutschunterricht und Theodor Fontane allerdings kann ich mich noch gut entsinnen. Warum mussten wir den „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ nicht nur lesen, sondern auch noch auswendiglernen? Wohin sollten uns die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ fĂŒhren, die fĂŒr uns Westberliner ohnehin verschlossen war? Warum sollte uns „Effi Briest“ begeistern, deren Lebenswirklichkeit nichts mit der unsrigen zu tun hatte und ĂŒber die Fontane in einer detailverliebten Sprache schrieb?

Trotzdem habe ich mir Jahrzehnte spĂ€ter eine fĂŒnfbĂ€ndige Ausgabe seiner Romane, Novellen und Gedichte sowie – als die Grenze gefallen war und wir wieder in das Berliner Umland fahren konnten – seine in den gesammelten Werken fehlenden „Wanderungen“ gekauft. Warum? Ich weiß es nicht mehr. In ihnen gelesen habe ich jedenfalls nur wenig.

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