Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Mit Ludwig Renn auf einer etwas anderen Wanderung durch Europa

Mai 15, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

„Zu Fuß zum Orient“: Das klang allzu verlockend und ließ mich als jungen Menschen zu dem in gelblichbraunes Leinen gebundenen Band von Ludwig Renn greifen. Genaugenommen handelte es sich um einen Doppelband, dessen zweiter Teil programmatisch mit „Ausweg“ ĂŒberschrieben war. Wer sich hinter dem Namen Ludwig Renn verbarg, erfuhr ich bald: Arnold Vieth von Golßenau – so sein richtiger Name – hatte 1910 eine Offizierslaufbahn eingeschlagen. Im ersten Weltkrieg zum Kriegsgegner geworden, weigerte er sich wĂ€hrend des Kapp-Putsches 1920, auf revolutionĂ€re Arbeiter schießen zu lassen. Dieser Frontwechsel beendete seine militĂ€rische Karriere.

Sein Reisebericht „Zu Fuß zum Orient“ erschien zwar erst 1966 und der zweite Teil „Ausweg“ sogar noch ein Jahr spĂ€ter, doch unternommen hatte er die beschwerliche Reise bereits 1925 und 1926. Damals noch als Arnold Vieth von Golßenau. Seit seinem Ausscheiden aus dem MilitĂ€r fĂŒhlte er sich ĂŒberflĂŒssig, nutzlos, einsam. Verzweifelt suchte er, seinem Leben einen neuen Sinn zu gegen. „Wenn ich doch etwas NĂŒtzliches gelernt hĂ€tte“, klagt er gleich im ersten Kapitel seines Reiseberichtes.

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Claudio Magris‘ Eurydike zieht die Unterwelt dem „höllischen Durcheinander“ der Oberwelt vor

Januar 25, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

Dienstag Abend im Hörsaal 1b der Freien UniversitĂ€t Berlin: Der italienische Schriftsteller Claudio Magris ist zu Gast. Bewusst begegnet bin ich seinem Namen das erste Mal, als Magris im Sommer vergangenen Jahres mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Spontan kaufte ich mir damals „Die Welt en gros und en dĂ©tail“ – und war fasziniert. Lange schon hatte mich kein Buch mehr so in seinen Bann gezogen.

Heute Abend steht allerdings ein anderes Werk von ihm im Mittelpunkt: Das vom Carl-Hanser-Verlag punktgenau zur Preisverleihung auf den Markt gebrachte „Verstehen Sie mich bitte recht“. AnnĂ€hernd 300 Interessierte dĂŒrften gekommen sein, um eine moderne Aufbereitung der Sage von Orpheus und Eurydike kennenzulernen.

Die moderne Eurydike musste sich, weil sich ihr „Gesundheitszustand schlagartig [
] verschlechtert hatte“, in ein Heim einweisen lassen. Doch es ist kein modernes, lichtes Haus, sondern ein Ort des DĂ€mmerlichts, in dem die Menschen ihre IndividualitĂ€t verlieren und zur einer grauen Masse werden. „[
] hier drinnen sieht man [
] wenig, ein Schatten gleitet vorbei, ehe man sein Gesicht erkennen kann, ganz abgesehen davon, dass alle Ă€hnlich aussehen“.

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