Mit Ludwig Renn auf einer etwas anderen Wanderung durch Europa
âZu FuĂ zum Orientâ: Das klang allzu verlockend und lieĂ mich als jungen Menschen zu dem in gelblichbraunes Leinen gebundenen Band von Ludwig Renn greifen. Genaugenommen handelte es sich um einen Doppelband, dessen zweiter Teil programmatisch mit âAuswegâ ĂŒberschrieben war. Wer sich hinter dem Namen Ludwig Renn verbarg, erfuhr ich bald: Arnold Vieth von GolĂenau â so sein richtiger Name â hatte 1910 eine Offizierslaufbahn eingeschlagen. Im ersten Weltkrieg zum Kriegsgegner geworden, weigerte er sich wĂ€hrend des Kapp-Putsches 1920, auf revolutionĂ€re Arbeiter schieĂen zu lassen. Dieser Frontwechsel beendete seine militĂ€rische Karriere.
Sein Reisebericht âZu FuĂ zum Orientâ erschien zwar erst 1966 und der zweite Teil âAuswegâ sogar noch ein Jahr spĂ€ter, doch unternommen hatte er die beschwerliche Reise bereits 1925 und 1926. Damals noch als Arnold Vieth von GolĂenau. Seit seinem Ausscheiden aus dem MilitĂ€r fĂŒhlte er sich ĂŒberflĂŒssig, nutzlos, einsam. Verzweifelt suchte er, seinem Leben einen neuen Sinn zu gegen. âWenn ich doch etwas NĂŒtzliches gelernt hĂ€tteâ, klagt er gleich im ersten Kapitel seines Reiseberichtes.
