Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

Subscribe

Die FAZ warnt wieder einmal vor Peter Handke – zu Recht

Juli 15, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 1 Kommentar →

Wenn Deutschland Krieg führt, dann haben nicht nur wir Deutschen, sondern – zumindest – alle Europäer zu jubeln. Neu ist diese Forderung zwar nicht, aber angesichts wachsender Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung ergriff die FAZ die sich bietende Chance des 15. Jahrestages von Srebrenica, wenigstens ihre Leser wieder einmal auf eine Politik einzuschwören, die auf Krieg zur Lösung von Konflikten setzt.

Den Buhmann muss wieder einmal Peter Handke geben. Natürlich wird er nicht selbst befragt und kann damit auch nicht auf die Unterstellungen und Verfälschungen von Jürgen Brokoff antworten. Allerdings würde ihm das vermutlich auch schwerfallen, denn der in Bonn Germanistik lehrende Brokoff bevorzugt eine sehr einfache Beweisführung: Wenn „die überwiegende Mehrheit der Journalisten die Abwegigkeit von Handkes politischen Ansichten festgestellt“ habe, dann sei es auch so. Dass ein Wissenschaftler nicht mehr zu bieten hat, überrascht doch ein wenig, wirft aber zugleich ein bezeichnendes Licht auf die FAZ, die sich mit derlei Plattheiten zufriedenstellen lässt.

Tags: , , , , , , , , ,

Mit Ludwig Renn auf einer etwas anderen Wanderung durch Europa

Mai 15, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

„Zu Fuß zum Orient“: Das klang allzu verlockend und ließ mich als jungen Menschen zu dem in gelblichbraunes Leinen gebundenen Band von Ludwig Renn greifen. Genaugenommen handelte es sich um einen Doppelband, dessen zweiter Teil programmatisch mit „Ausweg“ überschrieben war. Wer sich hinter dem Namen Ludwig Renn verbarg, erfuhr ich bald: Arnold Vieth von Golßenau – so sein richtiger Name – hatte 1910 eine Offizierslaufbahn eingeschlagen. Im ersten Weltkrieg zum Kriegsgegner geworden, weigerte er sich während des Kapp-Putsches 1920, auf revolutionäre Arbeiter schießen zu lassen. Dieser Frontwechsel beendete seine militärische Karriere.

Sein Reisebericht „Zu Fuß zum Orient“ erschien zwar erst 1966 und der zweite Teil „Ausweg“ sogar noch ein Jahr später, doch unternommen hatte er die beschwerliche Reise bereits 1925 und 1926. Damals noch als Arnold Vieth von Golßenau. Seit seinem Ausscheiden aus dem Militär fühlte er sich überflüssig, nutzlos, einsam. Verzweifelt suchte er, seinem Leben einen neuen Sinn zu gegen. „Wenn ich doch etwas Nützliches gelernt hätte“, klagt er gleich im ersten Kapitel seines Reiseberichtes.

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 2)

August 23, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Erich Mühsam macht es einem nicht leicht. Die Wiederentdeckung in den siebziger und achtziger Jahren galt vor allem seinen politischen Schriften. Anarchist, Aufrührer, Rebell, Weltverbesserer, Kommunist, Bohemien, Bürgerschreck: Das waren die richtigen Zutaten, um ihm die Aufmerksamkeit bei Lesern wie Buchhandel zu sichern – und auch bei mir. Als Lyriker empfanden Erich Mühsam jedoch wohl die wenigsten.

Die kämpferische, oft auch drastische Sprache galt – und gilt – vielen als „unlyrisch“.

„Wir töten, wie man uns befahl,
mit Blei und Dynamit,
fĂĽr Vaterland und Kapital,
fĂĽr Kaiser und Profit.
Doch wenn erfĂĽllt die Tage sind,
dann stehn wir auf fĂĽr Weib und Kind
und kämpfen, bis durch Dunst und Qual
die lichte Sonne sieht.“

Geschrieben im Jambus mit männlicher Kadenz, wirken seine Zeilen zwar eindringlich-beschwörend, doch nicht Bilder, sondern politische Schlagworte prägen die Verse. Lyrisch-zart und voller wunderbarer Bilder kommen selbst seine Liebesgedichte nicht daher.

Tags: , , , , , , , ,

Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 1)

Juli 14, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Erich Mühsam ist schuld. Seit langem stand für mich fest, dass es von mir keinen Blog geben werde. Doch dann kam eine Einladung zu einer Gedenkverstaltung anlässlich des 75. Todestages von Erich Mühsam, des anarchistischen Dichters und Rebells, der nach monatelangen Quälereien in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1934 von einem bayerischen SS-Kommando im KZ Oranienburg ermordet wurde.

Ein dünnes Bändchen mit Bänkelliedern und Gedichten, das der Rowohlt-Verlag 1978 herausgegeben hatte, bedeutete meine erste Begegnung mit dem streitbaren Schriftsteller und Politiker. Es war das gleiche Jahr, in dem die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ die Öffentlichkeit erregten, in dem Gilbert Baker die Regenbogenflagge zum Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung machte, der sozialdemokratische Bundesverteidigungsminister Georg Leber gegen den ausdrücklichen Wunsch des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Helmut Schmidt die politische Verantwortung für illegale Bespitzelungen durch den Militärischen Abschirmdienst übernahm, Israel den Südlibanon besetzte, der italienische Christdemokrat Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt und ermordet wurde – spätere Untersuchungen wiesen die Beteiligung gleich mehrerer Geheimdienste nach –, Johannes Mario Simmel den beim Wirtschaftswunder zu kurz gekommenen Bürgern mit „Hurra, wir leben noch“ zu ein wenig Genugtuung verhalf, Deutschland vom Deutschen Herbst gezeichnet wurde und sich unter dem Eindruck der Neutronenbombenpläne der USA eine Antikriegsbewegung zu formieren begann.

Tags: , , , , , , , ,


Bad Behavior has blocked 30 access attempts in the last 7 days.