Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Heinrich Kämpchen: ein früher sozialistischer und Bergarbeiterdichter (Teil 2)

November 02, 2014 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Sich zu wehren ist allerdings gefährlich, denn wer den Zechenherren negativ auffällt, wird schnell entlassen und auf schwarze Listen gesetzt. Trotzdem kommt es immer wieder zu spontanen Protesten und 1889 schließlich zu einem das gesamte Ruhrgebiet erfassenden Streik, an dem sich über 100.000 Bergleute und damit rund 90 Prozent der Bergarbeiter beteiligen.

An diese Arbeitskämpfe erinnert Heinrich Kämpchen unter anderem in seinem Gedicht „Streik“.

Tief unten im Grunde,
Im schwarzen GeklĂĽfte,
Im Reiche der GrĂĽfte,
Da ist es zur Stunde
Unheimlich geschäftig,
Da regt es sich kräftig
Mit starkem Gähren,
Da will gebären
Die grimme Wöchnerin „Bergmannsnot“
Den Streik, den Riesen, der wieder droht. –
Vor kurzem noch, ihr habt es gesehn,
Ließ er die Räder stille stehn. –
Als er sich reckte in jähem Prall,
Tot lagen die Werke, die Schächte all’. –
Da klang kein Hammer im weiten Rund,
Kein Wagen entstieg dem schwarzen Schlund,
Da stockte alles mit einem Schlag,
Da herrschte der lange Feiertag,
Der grimme Riese schwang sein Schwert
Und Kirchhofsruhe war eingekehrt. –
[…]

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Heinrich Kämpchen: ein früher sozialistischer und Bergarbeiterdichter (Teil 1)

Oktober 24, 2014 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) brachte es auf den Punkt, als sie titelte: „Gedenken an Heimatdichter Heinrich Kämpchen“. Als Heimatdichter darf Heinrich Kämpchen durchgehen, mit dem sozialistischen Arbeiterdichter dagegen haben viele auch mehr als 100 Jahre nach seinem Tod noch immer ein Problem,

Im Gegensatz zu den meisten anderen sozialkritischen Schriftstellern seiner Zeit entstammte Kämpchen nicht dem Bürgertum, sondern der Arbeiterklasse. 1847 als Sohn eines Bergmannes in Altendorf an der Ruhr geboren – von der Mutter wissen wir nur, dass sie früh gestorben ist –, musste er sich bereits im frühen Jugendalter selbst als Bergarbeiter verdingen. Das schlug sich auch in der Unmittelbarkeit seiner Dichtkunst nieder.

Selbst bald drei Jahrzehnte als Hauer unter Tage tätig, ließ er in vielen seiner Gedichte das harte Leben der Bergleute lebendig werden. So dichtete er in „Das Bergmannselend“:

Wie Wehruf schallt es,
Wie Klaggestöhne,
Mit dumpfem Röcheln
Tief aus den GrĂĽften
Im Bauch der Erde. –

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Ernst Goll – Dichter zwischen tiefster Verzweiflung und himmelhoch jauchzender Liebe

Juli 31, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Sie haben noch nie von dem Lyriker Ernst Goll gehört? Dann geht es Ihnen nicht anders als mir bis vor wenigen Tagen. Erst eine ausführliche Würdigung seines literarischen Schaffens in der Wiener Zeitung ließ mich Bekanntschaft mit einem der eigenwilligsten Dichter des 20. Jahrhunderts schließen.

1887 im damaligen Windischgraz und heutigen Slovenj Gradec geboren, wurde Ernst Goll lediglich 25 Jahre alt. Am 13. Juli 1912 bereitete er seinem Leben ein Ende und sprang aus einem Fenster im zweiten Stock der Grazer Universität. Die Neue Freie Presse meldete damals zwar, er habe sich „aus Furcht vor dem abzulegenden Rigorosum“ das Leben genommen, tatsächlich spricht jedoch viel dafür, dass Ernst Goll am Leben gescheitert ist.

Durch sein gesamtes literarisches Schaffen zieht sich als ein zentrales Motiv der wieder und wieder variierte Gedanke des Abschiednehmens.

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Als afrodeutsche Autorin ist May Ayim auch heute noch vielen Deutschen verhasst

Juni 30, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 3 Kommentare →

Das literarische Werk von May Ayim ist nicht sehr umfangreich: Die Gedichtsbände „blues in schwarz weiß“ und „Nachtgesang“, der Essay- und Gedichtsband „Grenzenlos und unverschämt“, einige Gedichte in dem Sammelband „Farbe bekennen“ sowie in verschiedenen Zeitschriften. Das war es bereits.

Mir begegnete die Autorin zum ersten Mal in diesem Frühjahr. Eine Notiz in der Tageszeitung Junge Welt war der Auslöser. An nur einem Abend las ich „blues in schwarz weiß“ aus.

„ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht passt“

schleuderte May Ayim in ihrem „grenzenlos und unverschämt“ überschriebenen „gedicht gegen die deutsche sch-einheit“ allen entgegen, die sie offen oder versteckt auszugrenzen versuchten. Und von diesen gab es viele. 1960 als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen geboren, bekam sie als Afrodeutsche die Intoleranz ihrer Mitmenschen früh zu spüren. Dass sie ihren amtlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz gegen den Künstlernamen May Ayim tauschte, machte sie ihnen noch verhasster.

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Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 2)

August 23, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Erich Mühsam macht es einem nicht leicht. Die Wiederentdeckung in den siebziger und achtziger Jahren galt vor allem seinen politischen Schriften. Anarchist, Aufrührer, Rebell, Weltverbesserer, Kommunist, Bohemien, Bürgerschreck: Das waren die richtigen Zutaten, um ihm die Aufmerksamkeit bei Lesern wie Buchhandel zu sichern – und auch bei mir. Als Lyriker empfanden Erich Mühsam jedoch wohl die wenigsten.

Die kämpferische, oft auch drastische Sprache galt – und gilt – vielen als „unlyrisch“.

„Wir töten, wie man uns befahl,
mit Blei und Dynamit,
fĂĽr Vaterland und Kapital,
fĂĽr Kaiser und Profit.
Doch wenn erfĂĽllt die Tage sind,
dann stehn wir auf fĂĽr Weib und Kind
und kämpfen, bis durch Dunst und Qual
die lichte Sonne sieht.“

Geschrieben im Jambus mit männlicher Kadenz, wirken seine Zeilen zwar eindringlich-beschwörend, doch nicht Bilder, sondern politische Schlagworte prägen die Verse. Lyrisch-zart und voller wunderbarer Bilder kommen selbst seine Liebesgedichte nicht daher.

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