Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Ernst Goll – Dichter zwischen tiefster Verzweiflung und himmelhoch jauchzender Liebe

Juli 31, 2012 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Sie haben noch nie von dem Lyriker Ernst Goll gehört? Dann geht es Ihnen nicht anders als mir bis vor wenigen Tagen. Erst eine ausführliche Würdigung seines literarischen Schaffens in der Wiener Zeitung ließ mich Bekanntschaft mit einem der eigenwilligsten Dichter des 20. Jahrhunderts schließen.

1887 im damaligen Windischgraz und heutigen Slovenj Gradec geboren, wurde Ernst Goll lediglich 25 Jahre alt. Am 13. Juli 1912 bereitete er seinem Leben ein Ende und sprang aus einem Fenster im zweiten Stock der Grazer Universität. Die Neue Freie Presse meldete damals zwar, er habe sich „aus Furcht vor dem abzulegenden Rigorosum“ das Leben genommen, tatsächlich spricht jedoch viel dafür, dass Ernst Goll am Leben gescheitert ist.

Durch sein gesamtes literarisches Schaffen zieht sich als ein zentrales Motiv der wieder und wieder variierte Gedanke des Abschiednehmens.

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Als afrodeutsche Autorin ist May Ayim auch heute noch vielen Deutschen verhasst

Juni 30, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 3 Kommentare →

Das literarische Werk von May Ayim ist nicht sehr umfangreich: Die Gedichtsbände „blues in schwarz weiß“ und „Nachtgesang“, der Essay- und Gedichtsband „Grenzenlos und unverschämt“, einige Gedichte in dem Sammelband „Farbe bekennen“ sowie in verschiedenen Zeitschriften. Das war es bereits.

Mir begegnete die Autorin zum ersten Mal in diesem Frühjahr. Eine Notiz in der Tageszeitung Junge Welt war der Auslöser. An nur einem Abend las ich „blues in schwarz weiß“ aus.

„ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht passt“

schleuderte May Ayim in ihrem „grenzenlos und unverschämt“ überschriebenen „gedicht gegen die deutsche sch-einheit“ allen entgegen, die sie offen oder versteckt auszugrenzen versuchten. Und von diesen gab es viele. 1960 als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen geboren, bekam sie als Afrodeutsche die Intoleranz ihrer Mitmenschen früh zu spüren. Dass sie ihren amtlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz gegen den Künstlernamen May Ayim tauschte, machte sie ihnen noch verhasster.

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Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 2)

August 23, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Erich Mühsam macht es einem nicht leicht. Die Wiederentdeckung in den siebziger und achtziger Jahren galt vor allem seinen politischen Schriften. Anarchist, Aufrührer, Rebell, Weltverbesserer, Kommunist, Bohemien, Bürgerschreck: Das waren die richtigen Zutaten, um ihm die Aufmerksamkeit bei Lesern wie Buchhandel zu sichern – und auch bei mir. Als Lyriker empfanden Erich Mühsam jedoch wohl die wenigsten.

Die kämpferische, oft auch drastische Sprache galt – und gilt – vielen als „unlyrisch“.

„Wir töten, wie man uns befahl,
mit Blei und Dynamit,
fĂĽr Vaterland und Kapital,
fĂĽr Kaiser und Profit.
Doch wenn erfĂĽllt die Tage sind,
dann stehn wir auf fĂĽr Weib und Kind
und kämpfen, bis durch Dunst und Qual
die lichte Sonne sieht.“

Geschrieben im Jambus mit männlicher Kadenz, wirken seine Zeilen zwar eindringlich-beschwörend, doch nicht Bilder, sondern politische Schlagworte prägen die Verse. Lyrisch-zart und voller wunderbarer Bilder kommen selbst seine Liebesgedichte nicht daher.

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Der Dichter und Rebell Erich MĂĽhsam (Teil 1)

Juli 14, 2009 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 1 Kommentar →

Erich Mühsam ist schuld. Seit langem stand für mich fest, dass es von mir keinen Blog geben werde. Doch dann kam eine Einladung zu einer Gedenkverstaltung anlässlich des 75. Todestages von Erich Mühsam, des anarchistischen Dichters und Rebells, der nach monatelangen Quälereien in der Nacht vom 9. zum 10. Juli 1934 von einem bayerischen SS-Kommando im KZ Oranienburg ermordet wurde.

Ein dünnes Bändchen mit Bänkelliedern und Gedichten, das der Rowohlt-Verlag 1978 herausgegeben hatte, bedeutete meine erste Begegnung mit dem streitbaren Schriftsteller und Politiker. Es war das gleiche Jahr, in dem die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ die Öffentlichkeit erregten, in dem Gilbert Baker die Regenbogenflagge zum Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung machte, der sozialdemokratische Bundesverteidigungsminister Georg Leber gegen den ausdrücklichen Wunsch des sozialdemokratischen Bundeskanzlers Helmut Schmidt die politische Verantwortung für illegale Bespitzelungen durch den Militärischen Abschirmdienst übernahm, Israel den Südlibanon besetzte, der italienische Christdemokrat Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt und ermordet wurde – spätere Untersuchungen wiesen die Beteiligung gleich mehrerer Geheimdienste nach –, Johannes Mario Simmel den beim Wirtschaftswunder zu kurz gekommenen Bürgern mit „Hurra, wir leben noch“ zu ein wenig Genugtuung verhalf, Deutschland vom Deutschen Herbst gezeichnet wurde und sich unter dem Eindruck der Neutronenbombenpläne der USA eine Antikriegsbewegung zu formieren begann.

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