Als afrodeutsche Autorin ist May Ayim auch heute noch vielen Deutschen verhasst
Das literarische Werk von May Ayim ist nicht sehr umfangreich: Die GedichtsbĂ€nde âblues in schwarz weiĂâ und âNachtgesangâ, der Essay- und Gedichtsband âGrenzenlos und unverschĂ€mtâ, einige Gedichte in dem Sammelband âFarbe bekennenâ sowie in verschiedenen Zeitschriften. Das war es bereits.
Mir begegnete die Autorin zum ersten Mal in diesem FrĂŒhjahr. Eine Notiz in der Tageszeitung Junge Welt war der Auslöser. An nur einem Abend las ich âblues in schwarz weiĂâ aus.
âich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwÀrze
nicht passtâ
schleuderte May Ayim in ihrem âgrenzenlos und unverschĂ€mtâ ĂŒberschriebenen âgedicht gegen die deutsche sch-einheitâ allen entgegen, die sie offen oder versteckt auszugrenzen versuchten. Und von diesen gab es viele. 1960 als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen geboren, bekam sie als Afrodeutsche die Intoleranz ihrer Mitmenschen frĂŒh zu spĂŒren. Dass sie ihren amtlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz gegen den KĂŒnstlernamen May Ayim tauschte, machte sie ihnen noch verhasster.
