Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ hat nur wenig von seiner Aktualität verloren (Teil 2)

Dezember 19, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Die öffentliche Resonanz, die Christa Wolfs Erzählung „Der geteilte Himmel“ im Osten wie im Westen auslöste, war überwältigend. Inhaltlich unterschied sich die Aufnahme ihres Werkes allerdings ganz grundsätzlich. Da damals an das Internet noch lange nicht zu denken war, war ich zum Abitur weitgehend auf meine eigenen Überlegungen angewiesen. Von den meisten Buchkritiken und Diskussionen wusste ich damals noch nichts. Anders verhielt es sich mit den politischen Rahmenbedingungen.

Auch wenn die westlichen Medien alle Vorwürfe gegen Adenauers Staatssekretär Hans Globke als kommunistische Propaganda und Hetze abzutun versuchten, seit Anfang der sechziger Jahre ließ sich nur noch schwer leugnen, dass Globke an den Nürnberger Rassegesetzen mitgeschrieben hatte. Mitte der sechziger Jahre gerieten dann auch Bundespräsident Heinrich Lübke wegen seiner KZ-Baupläne und schließlich ebenso Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner Mitverantwortung für die Auslandspropaganda der Nazis zunehmend in die öffentliche Kritik.

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Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ hat nur wenig von seiner Aktualität verloren (Teil 1)

Dezember 12, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

Mein Deutschlehrer war schuld. Schuld, dass ich 1969 für das mündliche Abitur in Deutsch ein Thema wählte, das in der aufgeheizten politischen Atmosphäre Westberlins allzu brisant war: Die literarische Gestaltung der deutsch-deutschen Teilung am Beispiel von Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ und Hermann Kants „Die Aula“. Das ging so natürlich nicht, sondern musste um Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“ ergänzt werden.

Am 2. Juni 67 war auf einer Demonstration Benno Ohnesorg erschossen worden, doch der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz billigte „ausdrücklich und mit Nachdruck […] das Verhalten der Polizei“. Sein Nachfolger Klaus Schütz hatte die Stimmung weiter angeheizt, als er den „anständigen“ Bürgern zurief: „Ihr müsst diese Typen sehen, ihr müsst ihnen genau ins Gesicht sehen.“ Und sie hatten verstanden: Schlägertrupps, von Bild als „beherzte Berliner“ gefeiert, machten Jagd auf alle Langhaarigen. Am 11. April 68 war ein Anschlag auf Rudi Dutschke verübt worden, die Stadt trieb auf die schwersten Straßenschlachten seit der Weimarer Republik und den ersten großen Bildungsstreik zu.

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Herta-MĂĽller-Ausstellung zeigte Autorin wie sie sich selbst gerne sieht

November 27, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

In letzter Minute habe ich es doch noch in die Herta-Müller-Ausstellung im Literaturhaus in Berlin geschafft. Trotz des Ausstellungsortes ging es allerdings nur ganz am Rande um Sprache und Literatur. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Rahmenbedingungen, unter denen Herta Müller in Rumänien geschrieben und veröffentlicht hat.

Obwohl die Ausstellung zweifellos sehr interessant war, mein Bild von Herta Müller hat sie nicht grundlegend verändert. Das ist allerdings nicht ihr zuzuschreiben, sondern den Ausstellungsmachern. Zu viel wurde mit Klischees und dem Weglassen von Informationen gearbeitet, zu wenig gefragt und hinterfragt. Dass Herta Müller schon als als Schülerin einen abgrundtiefen Hass auf das damalige Regime in ihrem Land entwickelte, bedarf deshalb auch keiner Einbettung in Zusammenhänge. Kommunisten kann man nur hassen, scheinen sich die Ausstellungsmacher gesagt zu haben.

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Schlimmer als die SS war die Securitate – behauptet jedenfalls Herta Müller in „Herztier“

September 09, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher Noch keine Kommentare →

An einem gibt es für mich nicht zu rütteln: Herta Müller kann schreiben. Und das meint: Hervorragend schreiben. Sie versteht ihr Handwerk wie wenige andere zeitgenössische deutschsprachige Autoren. „Herztier“, das ich bei einem Freund im Bücherregal entdeckte, habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen – ich, der bislang nur wenig von den Büchern Herta Müllers gehalten habe.

Sätze wie „Das Proletariat der Blechschafe und Holzmelonen ging nach der Schicht in die erste Kneipe“, „Ich sah Lolas Gegend in Edgars Gesicht“, „Ein verlorener Krieg, ein heimgekehrter SS-Soldat […] Er hatte Friedhöfe gemacht und machte der Frau schnell ein Kind“, Was ich tun muss, wird Gott nicht verzeihen. Aber mein Kind wird niemals Schafe mit roten Füßen treiben“ oder „Ich flog meinen Füßen nach, meine Füße flogen nicht weit“ sind einfach genial.

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Als afrodeutsche Autorin ist May Ayim auch heute noch vielen Deutschen verhasst

Juni 30, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂĽcher 3 Kommentare →

Das literarische Werk von May Ayim ist nicht sehr umfangreich: Die Gedichtsbände „blues in schwarz weiß“ und „Nachtgesang“, der Essay- und Gedichtsband „Grenzenlos und unverschämt“, einige Gedichte in dem Sammelband „Farbe bekennen“ sowie in verschiedenen Zeitschriften. Das war es bereits.

Mir begegnete die Autorin zum ersten Mal in diesem Frühjahr. Eine Notiz in der Tageszeitung Junge Welt war der Auslöser. An nur einem Abend las ich „blues in schwarz weiß“ aus.

„ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht passt“

schleuderte May Ayim in ihrem „grenzenlos und unverschämt“ überschriebenen „gedicht gegen die deutsche sch-einheit“ allen entgegen, die sie offen oder versteckt auszugrenzen versuchten. Und von diesen gab es viele. 1960 als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen geboren, bekam sie als Afrodeutsche die Intoleranz ihrer Mitmenschen früh zu spüren. Dass sie ihren amtlichen Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz gegen den Künstlernamen May Ayim tauschte, machte sie ihnen noch verhasster.

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