Buchentdeckungen

Einige Gedanken zu Literatur und Philosophie

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 6 und Schluss)

Februar 08, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

Besonderes Augenmerk hat Theodor Fontane immer dem Einstieg in seine Romane gewidmet. „Der Anfang ist immer das entscheidende; hat mans darin gut getroffen, so muß der Rest mit einer Art von innerer Nothwendigkeit gelingen, wie ein richtig behandeltes Tannenreis von selbst zu einer graden und untadeligen Tanne aufwĂ€chst“, bekannte er in einem Brief an Mathilde von Rohr.

Sein SpĂ€twerk „Der Stechlin“ macht keine Ausnahme. Jeder Satz, jede Formulierung ist wohlĂŒberlegt.

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 5)

Januar 30, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

Nicht nur in der Gesellschaft, auch in der Sprache tobt der Streit zwischen Neuem und Altem. „Das ist ja die neue Façon, in der die Berliner sprechen, und in dem Punkt ist einer wie der andre“, regt sich Adelheid, die Schwester des alten Stechlins, gegenĂŒber ihrem Neffen Woldemar auf. Dass sie von „Façon“ spricht, obwohl sie das Französische „verdrießt“ und ablehnt, fĂ€llt ihr in ihrem Ärger gar nicht auf. Selbst sie droht von dem Neuen infiziert zu werden.

Immer wieder geht es Fontane um diesen Widerstreit zwischen dem Gestern und dem Heute.

„FrĂŒher sagte man“, formuliert Dubslav von Stechlin, als er Armgard und Melusine den Stechlinsee, die HauptsehenswĂŒrdigkeit von Dorf und Schloss Stechlin, zeigt. FrĂŒher sagte man, heute sagt man, frĂŒher war das Schloss noch ein Schloss, heute nur noch ein bescheidenes Herrenhaus, frĂŒher wurden hier rauschende Feste gefeiert, heute muss der alte Stechlin selbst SchwĂ€tzerinnen wie Frau Gundermann einladen, um noch einen kleinen Kreis zusammenzubekommen, frĂŒher wurden lange Briefe geschrieben, heute Telegramme geschickt, frĂŒher unterwarf sich das Volk noch seinen Herren, heute wĂ€hlt es seinesgleichen in den Reichstag.

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 4)

Januar 25, 2011 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

„Ich stecke so drin im Abschluß eines großen, noch dazu politischen (!!) und natĂŒrlich mĂ€rkischen Romans, daß ich gar keine andern Gedanken habe und gegen alles andre auch gleichgĂŒltig bin“, schrieb Theodor Fontane im Mai 1897 an Ernst Heilborn, der ihn um einen Beitrag fĂŒr seine Halbmonatsschrift „Das literarische Echo“ gebeten hatte. Dieser politische Roman war „Der Stechlin“.

Nicht einmal ein Jahr brauchte Fontane, um ihn niederzuschreiben. Anfang 1895 hatte er die Arbeit aufgenommen und bereits Ende desselben Jahres die Rohfassung fertig. Daran schlossen sich allerdings noch mehrere Monate der Überarbeitung an. Aber im Oktober 1897 war es dann wirklich soweit: Die illustrierte Halbmonatszeitschrift „Über Land und Meer“ konnte mit dem Vorabdruck beginnen. FĂŒr die Veröffentlichung im Verlag seines Sohnes Friedrich nahm Fontane dann allerdings nochmals Korrekturen vor.

Den Druck des Buches erlebte Fontane noch, jedoch nicht mehr die Auslieferung an den Buchhandel. Am 20. September 1898 starb er 78-jÀhrig in Berlin.

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 3)

Dezember 01, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

Lange habe ich gebraucht, bis ich mich mit der Sprache Fontanes in „Irrungen, Wirrungen“ anfreunden konnte. Erst langsam musste ich mich an seinen episch breiten Schreibstil gewöhnen, seine nahezu unerschöpfliche Freude am Detail. Doch je mehr ich mich auf seine Sprache eingelassen habe, desto mehr erschloss sich mir ihre Schönheit.

In wenigen, oft aber sehr langen SĂ€tzen, lĂ€sst Fontane Landschaften und Situationen vor dem Auge des Lesers lebendig werden. Gleich der erste Satz von „Irrungen, Wirrungen“ hat es bereits in sich: „An dem Schnittpunkte von KurfĂŒrstendamm und KurfĂŒrstenstraße, schrĂ€g gegenĂŒber dem ‚Zoologischen‘, befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwĂ€rts sich erstreckende GĂ€rtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem VorgĂ€rtchen um etwa hundert Schritte zurĂŒck gelegenes Wohnhaus, trotz aller Kleinheit und ZurĂŒckgezogenheit, von der vorĂŒbergehenden Straße her sehr wohl erkannt werden konnte.“ Genau 54 Wörter zĂ€hlt dieser Einleitungssatz.

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Theodor Fontane: Nein, bitte nicht – oder doch? (Teil 2)

November 18, 2010 Von: Heinz W. Pahlke Kategorie: Autoren und BĂŒcher Noch keine Kommentare →

UrsprĂŒnglich sollte sich Teil 2 mit Fontanes Sprache in „Irrungen, Wirrungen“ beschĂ€ftigen. Die Frage eines Lesers, warum ich so wenig zu Gideon geschrieben habe, obwohl er in einem gewissen Sinne als Gegenspieler zu Botho verstanden werden mĂŒsse, möchte ich jedoch nutzen, noch einmal auf Botho und Gideon zurĂŒckzukommen.

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: WĂ€hrend Botho sich nach außen weltoffen und modern zeigt, scheint Gideon im ersten Moment das genaue Gegenteil zu sein. Von seiner Erscheinung und seinem Auftreten her entspricht Gideon ganz dem Klischee eines Beamten. Auf die Spitze getrieben wird dieser Eindruck auf der Hochzeit mit Lene, auf der er sich als „ein hagerer Herr mit hohem Hut und spitzen Vatermördern“ zeigt, ĂŒber den die Zuschauer spötteln: „[
] un sah eigentlich aus, als ob er seine silberne gleich mitfeiern wollte.“ Ja, es wird sogar getuschelt: „So was lebt nich.“ DafĂŒr, dass Lene den steifen, wesentlich Ă€lteren „Herrn“ heirate, gibt es deshalb nur einen Grund: „Kranz 
? Kranz 
? Wissen Sie denn nicht 
? Haben Sie denn nichts munkeln hören?“

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